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Rezensionen

Hier finden Sie alle Rezensionen zum Buch nach Erstellungsdatum sortiert.

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Younes wächst als Junge mit seiner Familie auf dem Land auf.  Er verbringt seine ersten Jahre bei seinen Eltern und seiner Schwester, doch als die Familie durch den Brand der Ernte alles verliert, an der Armutsgrenze steht und in die Slums der Stadt ziehen muß, bringt Younes Vater ihn zu seinem kinderlosen Bruder, wo er ein besseres Leben führen soll.

Younes, der jetzt, da er im französischen Teil der Stadt lebt, Jonas genannt wird, vermisst seine Familie anfangs schrecklich. Er lebt sich aber schnell bei Tante und Onkel ein und hat eine unbeschwerte Jugend.

Jonas begenet Emilie, die von seinem Apothekeronkel behandelt wird, und verliebt sich schon als Teenager in sie. Sie bleibt seine große Liebe.

Ein einfühlsamer, beinahe poetischer Roman über die Lebensgeschichte von Younes, der hin und hergerissen zwischen seinen beiden Kulturen, versucht das Beste aus seinem Leben zu machen.

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Yasmina Khadras Roman "Die Schuld des Tages an die nacht" ist die Geschichte des jungen Algeriers Younes, der, in Armut geboren, bei seinem wohlhabenden Onkel aufwächst. Fortan befindet sich Younes, nun Jonas genannt, zwischen zwei Welten: derjenigen, aus der er stammt und in der er seine Eltern und seine Schwester zurückgelassen hat und der neuen, in der er mit europäischen Freunden umherzieht und die Apotheke seines Onkels übernimmt.

Das Leben von Younes wird geprägt von seinen Gefühlen für Émilie, und von der Frage, ob es für die beiden eine gemeinsame Zukunft geben kann. Es geht um Freundschaft, um Loyalität, um Ehre. Diese persönliche Geschichte des jungen Mannes wird erzählt vor dem Hintergrund der algerischen Geschichte, von Gewalt und Krieg und den Auswirkungen auf das Leben von jemandem, der weder in der einen, noch in der anderen Welt ganz zu Hause zu sein scheint. Dabei werden die politischen Verhältnisse allerdings oft nur angerissen und nicht näher erläutert, sondern nur so weit erwähnt, wie es für die persönliche Geschichte von Younes wichtig ist.

Die Geschehnisse werden aus der Perspektive von Younes erzählt, so dass der Leser an seinen Gedanken immer teilhat. Manchmal möchte man ihn schütteln und wachrütteln, meistens fiebert und leidet man mit ihm mit. Die Sprache ist ausführlich und voller Bilder.

Alles in allem war der Roman ein Lesevergnügen, wenn auch einige Fragen offen geblieben sind und es schön gewesen wäre, mehr über die Politik und die Geschichte Algeriens zu erfahren.

 

5

Der Roman "Die Schuld des Tages an die Nacht" scheint der perfekte Roman zu sein. 

Inhaltlich ist die Story schon bewegend genug. Der kleine Younes muss mit seinem stolzen und sturen Vater sowie seiner Mutter und seiner behinderten Schwester sein Zuhause verlassen und in die Großstadt Oran ziehen, in der auch sein Onkel Mahi lebt. Nach und nach erkennt sein Vater jedoch, dass ihre Aussichten auf Erfolg gering sind und gibt seinen Sohn, auf Ratschlag und Bitten seines Bruders, zu Mahi und dessen Frau Germaine. Nachdem sich (jetzt:) Jonas eingelebt hat, zieht die kleine Familie in ein Dörfchen namens Rio Salado, in dem sich seine lebenslangen Freundschaften entwickeln und er die Liebe seines Lebens kennen lernt, mit er immer wieder konfrontiert wird. (Liebe ist eben doch unsterblich, so der Kommentar des Kommentarschreibers ;) )

Es ist eine spannende Reise durch sein Leben, die Landschaft Algeriens und geschichtlicher Aspekte des Landes, die nur noch von der sprachlichen Ausgestaltung gesondert hervorgehoben werden.

Die Geschichte von Younes (Jonas) wird ferner von ihm selber aus der Ich-Perspektive rückblickend erzählt. Der Leser kann sich förmlich vorstellen, wie Younes jeden Abend im Büro seine Onkels sitzt und seine Memoiren schreibt. Tränkte er Alkohol, stünde ein Glas Wein neben ihm ;) Aufgrund der Ich-Perspektive werden (natürlich) die Emotionen viel stärker übermittelt - man ist völlig im "flow" und vergisst während des Lesens vollkommen die Zeit und alles andere um einen herum!

Das Sahnestück ist jedoch die Sprache an sich. Ein Schlaraffenland an langen Sätzen samt Neben- und Relativsätzen, Wortgewandtheit, Metaphern, rhetorischen und suggestiv Fragen und und und... Einfach fabelhaft! SO kommt Freude beim Lesen auf, selbst wenn einem fast die Augen zufallen ;)

5

Yasmina Khadra führt den Lesern in dem Roman "Die Schuld des Tages an die Nacht" Gegensätze vor Augen, die das Lebens eines algerischen Jungen von Beginn an prägen. Nach dem dramatischen Verlust ihres gesamten Besitzes muss seine Familie versuchen, ein neues Leben in der Stadt aufzubauen. Obwohl der Vater schuftet wie ein Tier, lässt es das Schicksal einfach nicht zu, dass die Familie für ihre harte Arbeit mit etwas Glück belohnt wird. Schließlich muss Jounes zu seinem erfolgreichen und wohlhabenden Onkel und entwickelt sich dort unter seinem neuen Namen Jonas anfangs ganz gut. Doch bereits in den zwei unterschiedlichen Namen spiegelt sich der Bruch wieder, mit dem Jonas / Younes seit seines Lebens zu kämpfen hat. Im Herzen ist er seiner Familie und seiner Tradition verbunden, durch das Vermögen seines Onkels steht ihm aber auch zugleich die Welt der Kolonialisten offen. In seiner misslichen Lage gehört er aber keiner dieser Welten jemals ganz an, weshalb er immer mit einem inneren Zwiespalt zu kämpfen hat. Dieser äußert sich besonders in seiner Liebe zu Emilie, welche er sich niemlas ganz eingestehen möchte. Oft will man als Leser direkt schreien und ihn dazu zwingen, sich seinem offensichtlich für ihn bestimmten Schicksal endlich zu stellen. Doch von einem glücklichen Ende kann nicht die Rede sein.

Der Roman ist auf eine ganz besondere Art und Weise fesselnd und veranlasste mich häufig dazu, auch nach dem Lesen über die Inhalte lange nachzudenken. Die Geschichte um Jonas und seine Familie aber auch die Situation des Landes Algerien vor und nach den Aufständen und Befreiungskriegen sind in einer erschreckend ehrlichen und zugleich ergreifenden Art und Weise dargestellt. Der Leser erhält so detaillierte Einblicke und Informationen über zahlreiche Facetten, wie sie nur ein Beteiligter schildern kann.

3

Dieses Buch beschreibt in Ich-Form das Leben von Younes, der später zu Jonas wird und in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Stadt Oran in Algerien auf. Seine Familie ist sehr arm, sein Onkel jedoch wohlhabend und als er zu ihm kommt, ändert sich sein Leben schlagartig, auch sein Vorname wird nun europäisch, fortan ist er Jonas. Er besucht eine gute Schule, findet Freunde. Später verliebt er sich, doch die Eltern des Mädchens sind gegen die Verbindung.
Sein Leben kommt praktisch nie zum Stillstand, es passiert laufend etwas, wodurch sich seine persönliche Situation ändert oder was ihn nachdenken lässt. Und er reflektiert sehr viel.

Nach Beendigung der Lektüre weiß ich nicht so recht, was ich von dem buch halten soll. Auf der einen Seite gibt es wirklich einen richtig guten Einblick in das Leben in den 30er Jahren im Oran. Oder zumindest konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie es zu jener Zeit dort gewesen ist. Der Autor beschönigt da auch nichts, der Krieg und weitere Unruhen werden ebenso zum Thema wie das Erwachsenwerden seines Protagonisten.
Andererseits zieht es sich oft ziemlich, wenn Jonas mal wieder nur reflektiert. Der Schreibstil ist wirklich gut, es lässt sich angenehm flüssig lesen, aber ist leider doch streckenweise sehr langatmig. Obwohl in dem Leben von Jonas eine Menge passiert, kommt Spannung nicht wirklich auf.
Das Thema an sich ist interessant, die Umsetzung auch gelungen, aber für mich war es einfach zu viel Monolog des Erzählers und zu wenig Romanhandlung.

4

Der Titel hat mich sehr angesprochen und auch die Leseprobe hat mir gut gefallen. Doch habe ich sehr lange für dieses Buch gebraucht. Woran das lag? Zum einen war es nichts, was ich einfach so weglesen konnte, denn es hat mich zum Nachdenken angeregt, zum anderen war gerade der Mittelteil für mich nicht richtig flüssig zu lesen.

Dies lag daran, dass Jonas, der als Younes Ende der 20er Jahre in Algerien geboren wurde, dann aber bei seinem Onkel und seiner Tante mit einem neuen Namen lebte nachdem seine Familie ihr Land verloren hat, mir immer ein wenig fremd geblieben ist. Ein Grund dafür war die große Zeitspanne, die im Mittelteil behandelt wurde. Da hätte ich mir mitunter mehr Ausführlichkeit gewünscht, zumindest was Jonas Gefühle und Gedanken angeht. Ich war mir nicht immer sicher, warum er sich so verhält, wie er es getan hat, auch wenn das Buch aus der Sicht von ihm als alten Mann rückblickend auf sein Leben erzählt wird. Manchmal war ich mir nicht im Klaren darüber, warum er sich nicht aufrütteln ließ, gerade was Émilie, seine große Liebe angeht. Ich mochte ihn manchmal am liebsten schütteln, damit er mit ihr redet.

Aber ohne diesen, wohl doch lebensnahen, Konflikt hätte ich das Buch weniger spannend gefunden und weniger das Buch und die Menschen mit ihren Stärken und Schwächen nachgedacht. Auch sonst, hat mir die Geschichte interessante, manchmal auch erschütternde, Aspekte des Lebens übermittelt.

Außerdem hat mir das Buch die Geschichte Algerien etwas näher gebracht. Interessant fand ich es, die Kolonisation und die dadurch entstandenen Probleme nicht nur aus der Sicht der ursprünglichen Bewohner zu erleben, sondern auch die der Kolonisatoren bzw. der Franzosen, die sich in diesem Land auch ein Leben aufgebaut hatten und für die es auch nach Jahrem im Exil immer noch die wahre Heimat war.

Die Sprache des Buches hat mir gut gefallen, auch wenn sie mir an einigen Stellen doch etwas zu dick aufgetragen schien.

Insgesamt war dies ein Buch, welches mich nicht vollständig gefesselt hat, mir dennoch gut gefallen hat.

4

Youne, der Protagonist, erinnert sich an sein Leben zurück. Er blickt zurück auf die bewegte Geschichte seiner Heimat Algerien, das Land des Windes. Er beschreibt das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, die tiefe Freundschaft unter vier Männern, die verbotene Liebe im Brennpunkt Orient trifft Okzident in einer durch und durch bildhaften, poetischen Sprache.

Er führt uns durch die Schatten- und Lichtseiten seines Lebens und bringt uns seinem zurückhaltenden Charakter nahe. Ich selbst wünschte mir mehr Aktionismus seinerseits und hoffte das er endlich an der Reihe ist und sein Glück findet. Doch dieses Buch ist kein Märchen sondern das wahre Leben.

Auch wenn das Buch an manchen Stellen etwas langatmig ist, war es eindrucksvoll in ein mir fremdes Leben so tief einzutauchen.

4

Der Autor : Yasmina Khadra ist der Künstlername des 1955 geborenen Autors Mohammed Moulessehoul.

Das Cover :...verspricht uns viele, schöne Einblicke in das Leben fremder Kulturen…

Das Buch :Als Junge von seinem Vater getrennt,wuchs Jonas bei seinem Onkel auf. Doch seine Wurzel vergisst er nicht. Auch nicht, als er Emelie kennen und lieben lernt. Doch es wird den liebenden nichts Geschenkt…

Ich war überrascht, wie schön und einfühlsam das Buch geschrieben wurde! Anfangs hatte ich noch einige Schwierigkeiten mich einzufinden, doch nach etwa 150 Seiten war ich den Worten schon verfallen.  Es war sehr interessant, etwas über diese , mir völlig fremde Kultur, zu erfahren. Zwar ist das Buch durchaus keine “leichte Kost”, jedoch , meiner Meinung nach, unbedingt empfehlenswert

5

Hier erwartet den/die LeserIn etwas ganz anderes, wie vielleicht vermutet: Yasmina Khadra, ein ehemaliger algerischer Offizier, der unter dem Namen seiner Frau geschrieben und veröffentlich hat, hat schon einige Bücher verfasst: Krimis, wie zum Beispiel seine Llob-Romane, ebenso wie Romane wie beispielsweise "Die Attentäterin", in denen er sich mit islamischem Terrorismus auseinandersetzt hat.

Dies ist nun aber eine Lebensgeschichte - die Geschichte Younes, der unter bitteren Bedingungen in einer ländlichen Region Algeriens geboren wird und dort zunächst aufwächst. Doch dann kommt alles anders: Younes verliert seine Mutter, seinen Vater und sein Zuhause, wird aber von seinem Onkel, der in einer Stadt an der algerischen Küste eine Apotheke besitzt, und dessen französischer Ehefrau adoptiert. Hier ändert sich Younes' Leben von Grund auf, er wird zu 'Jonas', genießt Bildung, ja, gehört der Oberschicht des Landes an und verliebt sich schließlich in Emilie, eine junge Französin, die so etwas wie die Liebe seines Lebens wird. Doch dann bricht Krieg aus, der Krieg, in dem die Algerier für ihre Unabhängigkeit von Frankreich kämpfen, und Jonas, der als armer Bauernsohn ohne jegliche Privilegien geboren wurde und unter französischen Freunden erwachsen wurde, weiß nicht, wie er mit dieser Situation umgehen soll. Seine algerischen und französichen Freunde werden zu erbitterten Gegnern und seine Liebe zu Emilie bleibt unerfüllt...

Khadra hat eine unglaubliche Gabe zu Schreiben. Seine Sprache, seine Erzählkunst und die Gabe, die Geschichte seines Landes in diesen Roman zu weben, sind beeindruckend! Khadra erzählt von einem Algerier, der widerwillen in den Konflikt hineingezogen wird, obwohl er beide Seiten gut kennt und versteht. Younes/Jonas bekommt zu spüren, wie gewaltig Krieg und Nationalismus ein Leben beschneiden können - er erfährt es sozusagen am eigenen Körper. Und dennoch mischt sich Khadra nicht ein, ergreift für keine Seite Partei, er, der in Algerien geboren wurde, der jahrzehntelang hoher Offizier der algerischen Armee war und seit gut zehn Jahren im französischen Exil lebt. Man hat eher das Gefühl, dass er seine unbändige Lust am Erzählen nutzen möchte um zu erklären, ja, vielleicht aufzuklären und damit vielleicht für mehr Verständnis untereinander werben möchte.

Fazit: Yasmina Khadra hat schon zahlreiche namhafte Preise erhalten und nach diesem Buch kann ich nur sagen: vollkommen zu recht! Khadra besitzt ein eindringliches Talent, seinen LeserInnen Geschichten zu erzählen... Bleibt zu wünschen, dass er noch mehr findet - auch hierzulande.

2




Yasmina Khadra - Die Schuld des Tages an die Nacht

 

Der Roman betrachtet das Leben von Younes/Jonas und sein Aufwachsen in Algerien und sein Leben in zwei Welten.

 

Der Anfang hat mir – genauso wie die Leseprobe – sehr gut gefallen, es fängt fast poetisch an, in einer wunderschönen Sprache, sieht man das Elend der Familie auf dem Land und die Hoffnungen, die im Keim erstickt werden. Auch das Leben in der Stadt verläuft nicht so wie man es sich vorgestellt hat, viel zu viele sind vom Land geflüchtet und das Überleben wird zum Kampf. Hier möchte man den Vater des Öfteren schütteln, weil es ihm unmöglich ist, seinen Stolz hinten an zustellen.

 

Nach diesem starken Beginn, an dem man auch viel über die Hintergründe im Land erfährt, lässt das Buch leider stark nach, die Handlung verflacht und plätschert dahin, entwickelt sich zu einer mehr unglücklichen Liebesgeschichte, gemischt mit zeitlichen Sprüngen und mehr oder weniger belanglosen Gesprächen mit seinen Freunden ohne jemals wirklich die Tiefe zu erreichen, die man laut dem Klappentext vermutet, auch die Konflikte in und rund um Algerien werden nur angerissen und bleiben oberflächlich. Auch die Sprache erreicht nicht mehr das Niveau des Anfangs und sinkt quasi mit dem Niveau der Geschichte. Am Anfang scheinen die Charaktere auch vielversprechend und interessant, aber Younes entwickelt sich zu jemand ohne Eigeninitiative, der es einem schwer macht, ihn richtig sympathisch zu finden.

 

Das Buch macht es einem nicht leicht, weil ich den Anfang wirklich extrem gelungen fand und daher, im Hinterkopf den Klappentext, vielleicht falsch an das Buch herangegangen bin. Eine Chance bekommt der Autor aber sicher  noch.

5

Jonas bzw. Younes ist hin- und hergerissen zwischen der europäischen und der arabischen Welt. Da er als Kind von seinen Eltern nicht mehr ausreichend unterstützt werden kann, nimmt sein Onkel Mahi Jonas zu sich, der mit einer Katholikin verheiratet ist.

Yasmina Khadra, der unter dem Synonym seiner Frau schreibt, erzählt in einer sehr poetischen und bildreichen Sprache über seine Heimat Algerien, in der sich Araber und Europäer in einem Bürgerkrieg bekämpfen. Jonas sitzt beiden Stühlen, weil er eigentlich Moslem ist, aber in einem christlich-europäischen Haushalt groß geworden ist. Dies lässt ihn nicht nur klare Stellung zum Krieg beziehen, sondern verhindert die Liebe zu Emilie. Dieser Zwiespalt lässt ihn auch in einer Starre verharren, was ihn von seinen geliebten Menschen immer nur weiter entfernt.

Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen, so fasziniert war ich von Jonas Geschichte und auch von Khadras Sprachgewalt.

Unbedingt lesenswert!

5

 

 

 

 

In seinem neuen Roman erzählt Yasmina Khadra die Lebensgeschichte von Younes. Younes lebt mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester in ärmlichen Verhältnissen in einem algerischen Dorf. Die Familie ist hoch verschuldet. Durch die Missgunst und Habgier ihrer Mitmenschen verlieren sie ihr Land gerade in dem Augenblick, als sich durch eine gute Ernte eine Wendung abzeichnet: jemand legt Feuer in den Feldern. Die Familie zieht in ein Elendsviertel in Oran. Der Vater ist zu stolz, um sich von seinem Bruder Mahi, einem Apotheker, der mit einer Französin verheiratet ist, helfen zu lassen. Als er um seine Ersparnisse betrogen wird, gibt er auf. Younes lebt von da an unter dem neuen Namen Jonas in gesicherten Verhältnissen bei seinem Onkel und seiner Tante, deren Ehe kinderlos geblieben ist, erhält eine gute Schulbildung und wird ebenfalls Apotheker. Weil der Onkel durch seine nationalistischen Ideen und politischen Kontakte Schwierigkeiten bekommen hat, ist die Familie inzwischen in die Kleinstadt Rio Salado umgezogen. Weite Teile des Romans beschreiben Kindheit und Jugend von Jonas, seine enge Freundschaft zu drei französischstämmigen Jugendlichen namens Fabrice, Jean-Christophe und Simon. Alle vier verlieben sich in die schöne Französin Emilie, die Jonas schon als Dreizehnjähriger in der Apotheke seines Onkels kennengelernt hat. Emilie ist zu diesem Zeitpunkt neun Jahre alt. Sie wird die Liebe seines Lebens, und sie liebt ihn ebenfalls. Dennoch bleibt diese Liebe unerfüllt. Jonas fühlt sich an den ihrer Mutter gegebenen Schwur gebunden und weist sie immer wieder zurück.

Erzählt wird die Geschichte von dem etwa 80jährigen Jonas, der auf sein Leben zurückblickt. Die überlebenden Freunde kommen nach fast einem halben Jahrhundert noch einmal bei Emilies Beerdigung zusammen . Es ist ein emotionsgeladenes Wiedersehen, bei dem auch alte Konflikte und Spannungen aus dem Weg geräumt werden. Am Ende steht die Versöhnung.

Versöhnung ist das große Thema, das nicht nur in der Geschichte von Liebe und Freundschaft zum Tragen kommt, sondern auch ein wichtiges Anliegen des Autors in Bezug auf seine Heimat Algerien ist. Younes/Jonas ist hin und hergerissen zwischen zwei Welten, und im Laufe seines Lebens steht er immer wieder vor der Entscheidung, sich zu der einen oder anderen zu bekennen: zu seiner arabischen Herkunft oder zur französischen Kolonialmacht, die sein Volk unterdrückt und ausbeutet. Der Roman schildert die politischen und sozialen Verhältnisse von 1930 bis 1960, den Algerienkrieg (1954-1962) und die Zeit nach der Erlangung der Unabhängigkeit. Dabei setzt der Autor eine Menge Kenntnisse voraus. Das ist für französische Leser kein Problem, denn diese Epoche ist für sie durchaus präsent, auch wenn oder vielleicht gerade weil die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit und des von beiden Seiten mit unvorstellbarer Grausamkeit geführten Krieges erst Jahrzehnte später begonnen hat. Für deutsche Leser ist das schwieriger. Von daher hätte man sich gewünscht, dass die Übersetzerin durch Fußnoten oder einen Anhang die historischen Ereignisse und Begriffe erklärt, die für den deutschen Durchschnittsleser nicht ohne weiteres verständlich sind, z.B. Maquisarden oder Harkis. Viele deutsche Leser werden nicht wissen, wieso die Harkis als Verräter an ihren eigenen Leuten betrachtet wurden. (Die Harkis waren muslimische Soldaten, die in der französischen Armee dienten, als Verräter und Kollaborateure betrachtet und nach der Unabhängigkeit zu Zehntausenden ermordet wurden). Auch Kürzel wie FLN und OAS hätten gut noch etwas deutlichere Erläuterungen vertragen können. Dennoch ist dem Autor ein sehr eindrucksvoller Roman gelungen, der ein privates Schicksal in den historischen Kontext einordnet - für viele deutsche Leser vielleicht die erste Begegnung mit Algerien als Schauplatz. Khadra überzeugt wie in all seinen Romanen durch seine wunderbare poetische Sprache, die auch in der Übersetzung ihre Wirkung entfaltet - alles in allem ein wunderschönes Buch.

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5

Der zehnjährige Younes wächst mit Vater, Mutter und einer kleinen Schwester in Algerien auf dem Land auf. Viele der Einwohner haben sich der Landflucht angeschlossen, aber Issa, Younes' Vater, ist stolz auf das Land, das schon seit Generationen der Familie gehört. Doch es sind die 1930er Jahre und das Leben ist schwer. Issa ist hoch verschuldet, aber die diesjährige Ernte verpricht Rettung ... bis Issa sein Glück im Dorf ausplaudert und kurze Zeit später die Felder lichterloh brennen. Nun hat die Familie nichts mehr und flüchtet selbst im französisch besetzten Algerien in die Stadt. Bei der Ankunft kommt die Stadt dem jungen Younes paradiesisch vor: wunderschöne Häuser, schöne und entspannte weiße Menschen, Gärten und Balkone. Mit Hilfe eines Onkels will die Familie wieder auf die Füße kommen. Doch wer nichts hat, lernt die dunkle Seite der Stadt kennen, die Vororte und Slums: "Es genügt, einen Häuserblock zu umrunden, schon gelangt man vom Tag in die Nacht, vom Leben in den Tod."
Issa ist stolz und hängt sehr an seiner Ehre. Daher will er von seinem Bruder, dem Apotheker, keine Hilfe annehmen, obwohl es diesem finanziell sehr gut geht. Issa gibt seine Familie somit dem Untergang preis. Sich hochzuarbeiten ist schwere Arbeit und dauert lange. Zudem erlaubt er Younes nicht, sich am Familienauskommen zu beteiligen. Als Issa durch einen Verrat schließlich alles bisher Erarbeitete verliert, ist er am Boden zerstört.

Ihm bleibt nichts anderes übrig als dem Drängen seines Bruders nachzugeben und Younes in dessen Obhut zu geben. Der Apotheker und seine Frau adoptieren den Jungen und ziehen mit ihm nach Río Salado. Aus Younes wird Jonas und als einer von sehr wenigen Arabern wächst Jonas mit anderen französischen, christlichen und jüdischen Kindern auf und genießt ein komfortables Leben. Dabe wird er immer wieder Zeuge, wie schlecht es den eigentlichen Algeriern geht, zu denen auch seine ursprüngliche Familie gehört. Er sieht auch, wie die Franzosen die Algerier misshandeln und ausbeuten. Doch Jonas kann sich nicht für eine Seite entscheiden, wird es aber bald müssen - so wie die Geschichte voranschreitet.
Jonas lernt in Río Salado ein paar Jungen kennen und nach anfänglichen Schwierigkeiten bilden die vier eine Clique, die im ganzen Ort als die Forkenzinken bekannt sind. Mit diesen wächst er auf und da bleiben Probleme nicht aus. Es geht um Jungen- und später Männerfreundschaften, Eifersucht, Verrat und Missgunst. Und doch raufen sich die vier fast immer wieder zusammen und begleiten einander ihr Leben lang. Ein Großteil des Roman widmet sich den unterschiedlichen Entwicklungen der vier, jedoch geschildert aus Jonas Perspektive.
Doch den größten Keil zwischen diese Freundschaften treibt Èmilie, ein junges Mädchen, das Jonas schon einmal als Dreizehnjähriger getroffen hat. Sie kehrt als junge Frau nach Río Salado zurück und sät Zwietracht zwischen die Jungen Männer. Und sie wird Jonas' große und komplizierte Liebe werden.

Yasmina Khadra ist das Pseudonym eines algerischen Schriftstellers, der zur Armee gehörte und sein Pseudonym erst lüften konnte, als er sich bereits im Exil befand. Seine Bücher sprechen gesellschaftsrelevante Themen der arabischen Länder (bspw. Afghanistan, Algerien, Iran) an. Die Selbstverständlichkeit moslemischer Werte machen dem Leser deutlich, dass es auch noch andere Kulturen gibt. Die Überraschung des jungen Younes darüber, dass Frauen unverschleiert auf den Straßen unterwegs sind, ist ein Beispiel dafür. Khadra öffnet dem Leser die Augen und ist in der Lage, diese Kulturen nicht als etwas Exotisches, sondern völlig Alltägliches darzustellen. Hinzu kommt Khadras wunderschöner Schreibstil, den ich einfach liebe. Die Beschreibungen und Vergleiche sind farbenprächtig, das Leben spürbar und für den Leser erlebbar. Die Sprache ist poetisch und anschaulich. Im Vergleich zu "Die Schwalben von Kabul", das einem sehr viel Konzentration abverlangte, ist "Die Schuld des Tages an die Nacht" sehr leicht und flüssig zu lesen. Khadra macht auch sehr deutlich, wie sehr die historischen Entwicklungen an Younes vorbeigehen und doch gelingt es ihm, dem Leser die Umbruchstimmung im Algerien der 60er Jahre nahezubringen.
Neben einer Geschichte über das Schicksal, die Freundschaft und die Liebe ist dem Autor auch eine spannende Darstellung der algerischen Geschichte von 1930 bis 1960 gelungen, in der ein Weltkrieg and Algerien vorbeizieht und das Land sich schließlich von Frankreich emanzipiert. Mich hat Khadra mit diesem neuen Werk absolut überzeugt, gefesselt und auch mitleiden lassen. Und ich kann es nur jedem ans Herz legen!

1

Den vielen positiven Eindrücken kann ich mich nicht anschließen. Möglicherweise hatte ich zu hohe Erwartungen an dieses Buch, jedenfalls bin ich ziemlich enttäuscht worden. Nach einem guten Beginn hatte ich ziemlich zu kämpfen, das Buch überhaupt zu beenden, die letzten hundert Seiten habe ich nur noch quergelesen, erst das Ende dann wieder intensiv.

Khadra erzählt auf über vierhundert Seiten die Geschichte eines Jungen, der in den 30er Jahren in Algerien aufwächst. Nachdem die Familie aufgrund eines Schicksalsschlages ihr Land verpfänden muss, wechselt Younes mit dem Umzug in die Stadt die Welten. Da es dem Vater nicht gelingt, die Familie aus den ärmlichen Verhältnissen zu holen, wächst Younes schließlich als Jonas im europäischen Viertel der Stadt bei seinem Onkel und dessen Frau auf.

Bis zu diesem Punkt hat mich die Geschichte und Younes´ Schicksal in ihren Bann gezogen und das Buch las sich kurzweilig, Khadras Sprache tat ihr übriges. Doch dann verkommt das Buch meiner Meinung nach zu sehr zu einer Geschichte einer Freundschaft von vier Jungs und einer unglücklichen Liebe. Ich hätte mir mehr Einbezug und Informationen der politischen Hintergründe gewünscht, aus der Freundschaft der unterschiedlichen Jungs hätte man vielleicht mehr rausholen können. Im Verlauf des Buches wurde Jonas durch seine passiv-phlegmatische Art und Weigerung für bestimmte Dinge einzustehen (und sei es nur für seine Liebe zu Emilie) zunehmend unsympathischer. Schließlich dieses "alles wird irgendwie gut"-Ende (Versöhnugn mit Jean-Christophe, der Brief von Emilie, Jonas hat Familie) - ein paar Spannungen hätten auch ruhig bestehen bleiben können.

Mein Fazit: Möglicherweise eine gute Roman-Idee, die Umsetzung hat mich nicht vom Hocker gehauen.

4

Bei gewissen Büchern spricht man nicht "vom Buch" sondern "vom Werk", was die Qualität unterstreicht.

Khadra hat mich sehr beeindruckt. Sein Werk geht unter die Haut und bleibt für lange Zeit genau dort. So ein Buch bekommt man erst gar nicht aus seinem Kopf heraus. Meist lese ich direkt im Anschluss das nächste Buch. Häufig lese ich mehrere Bücher paralell. Aber Kahdra hat mich mit seinem Stil alle anderen Bücher vorerst vergessen lassen und danach, musste ich erst einmal ausführlich über das Gelesene nachdenken.

Algerien war bisher ein völlig unbekanntes Land für mich. Khadra hat mich mit auf seine Reise genommen und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Auch das Mitfiebern kam mir real vor. Die Frustration wenn er nicht so handelt, wie unsereins es für richtig hält. Das Mitleiden mit seiner verzweifelten Lage. Die Verbitterung seiner Person selbst. Alles so beeindruckend beschrieben. Es ist, als ob er mir die Geschichte ins Ohr erzählt hat und nicht, als ob ich es gelesen hätte.

5

Wahrlich ein Epos. Younas erzählt seine Lebensgeschichte. Vom armen Jungen, der mit seiner Familie vor der Armut in die Stadt flüchtet. Dort hat die Armut aber nur andere Gesichter und Dimensionen. Zunächst vom Stolz geleitet, verhindert der Vater, dass der Sohn bei dessen Onkel aufwächst. Als immer mehr Träume des Vaters zerplatzen, gibt er seinen Sohn letztlich in die Hände seines Bruders. Dort wird aus Younas Jonas, ein Kind, das eine gute Erziehung und Ausbildung erhält, auf der sonnigen Seite des Lebens in Algerien aufwächst. Seine Familie und seine alte Heimat entschwindet ihm zusehends. Er findet Freunde, wächst auf, verliebt sich unglücklich und wird wie sein Onkel Apotheker. Doch er wird nicht glücklich. Aus falschem Ehrgefühl heraus verliert er seine große Liebe, wird einsam und findet nie zu sich selbst. Geplagt von Selbstzweifeln erlebt er das gespaltene Algerien mit, dass ebenso wie Younas sich selbst sucht. Die Unabhängigkeitsbewegung in Algerien versetzt Younas neue Schicksalsschläge...

Der Leser spürt die Vrzweiflung und Verbitterung des Younas, leidet mit, wenn seine große Liebe einen Anderen heiratet. Gefangen in den Zwängen seiner Kultur und den Versuchungen der neuen Welt fühlt sich Younas sein ganzes Leben als Außenseiter. Er kann und will nicht Stellung beziehen, entscheidet sich dazu, sich nicht zu entscheiden.

Vergleichbar mit dem Drachenläufer ist ein großes Buch gelungen, dass sowohl die persönlichen Dramen im Leben eines Mannes als auch die Verwirrungen eines zerrissenen Landes hervorragend beschreibt. Das Buch fesselt, läßt mitleiden und man möchte sich die Haare raufen, wenn Younas zögert, sein Leben nicht selbst in die Hand nimmt. Ein wunderbares Buch, mit Tiefe und Wärme geschrieben, wie es nur jemand kann, der in diesem Land aufgewachsen ist.

4

Younes Familie lebt auf dem Land als sie durch ein Feuer ihren gesamten kärglichen Besitz verlieren.Um zu überleben,ziehen sie in die Stadt,wo sie jedoch in einem Armenviertel landen.Younes kommt zu seinem Onkel,der als Apotheker finanziell gut steht.So heisst Younas fortan Jonas und erlebt als Araber eine neue Welt bei den Algerien- Franzosen.Er lernt neue Menschen kennen,erlebt völlig andere Perspektiven und muss sich mit allem erst zurechtfinden.Man erlebt mit,wie Jonas aufwächst und immer wieder an seine Familie und sein alters Leben denkt.Auch die politischen Geschehen prägen ihn,und dann begegnet er auch noch seiner grossen Liebe...

Ein sehr bewegendes Buch,man lernt völlig andere Seiten von Algerien und erlebt und leidet die Ereigniss um Jonas mit.Für mich eine sehr interessante Erfahrung.

4




Schon der Beginn des Buches zieht einen in den Bann. Sprachlich wunderbar lässt Khadra den Ich-Erzähler Younes dessen Geschichte erzählen, an deren Anfang, in den 1930er Jahren, er 10 Jahre alt ist und zusammen mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester auf einem Hof im ländlichen Algerien lebt. Sie haben es nicht leicht, schaffen es gerade so zu überleben, doch die kommende Ernte verspricht bessere Zeiten. Bis ein Brand die Felder der Familie und damit die Ernte, in die sie all ihre Zukunftshoffnungen gesetzt hatten, zerstört. „Da begriff ich, dass unsere Schutzheiligen uns unwiderruflich verstoßen hatten und dass fortan, bis zum Tag des Jüngsten Gerichts, das Unglück unser Schicksal war“, kommentiert Younes die Katastrophe, die so wie viele andere die Familie erneut heimgesucht hat. Die Familie zieht in die Stadt Oran, lebt dort unter erbärmlichen, lebensunwürdigen Bedingungen. Doch Younes hat Glück. Sein Onkel, ein angesehener Apotheker in der Stadt, nimmt ihn bei sich auf, ermöglicht ihm eine Schulausbildung und den Start in ein besseres Leben. Und aus Younes wird der Jugendliche Jonas, der sich einer Jungen-Clique anschließt und seiner großen, lebenslangen Liebe Emilie begegnet, die allerdings auch unter keinem guten Stern zu stehen scheint …


Die Geschichte des Ich-Erzählers spielt sich vor dem geschichtlich-politischen Hintergrund Algeriens ab: die seit Ende der 1930er Jahre bestehende algerische Unabhängigkeitsbewegung, der Algerienkrieg (1954-1962), der von beiden Seiten mit äußerster Härte geführt wurde und schließlich die Erkämpfung der Unabhängigkeit des algerischen Volkes unter Führung der Nationalen Befreiungsfront (Front de Libération Nationale). Die Auswirkungen all dieser politischen Kämpfe stellt Khadra anhand der persönlichen Lebenssituationen und Ereignisse, die seiner Gruppe junger Protagonisten widerfahren, eindrucksvoll und berührend dar. Auch Younes sitzt zwischen den Stühlen: als Junge arabischer Herkunft wächst er im französischen Viertel der Stadt Rio Salado auf, hat französische Freunde und sieht sich im Angesicht des Krieges vor den unlösbaren Konflikt gestellt, sich entscheiden zu müssen, zu welcher Seite er denn nun gehört. Khadra gelingt es, diese vielfältigen, den ganzen Roman umspannenden Konflikte hervorragend und nachvollziehbar darzustellen, ohne sich auf eine Seite zu schlagen. Am Ende des Romans, die Freunde der Jugend-Clique sind mittlerweile im Greisenalter und alle außer Jonas im französischen Exil, lässt Khadra eine seiner Figuren treffend resümieren: „Warum hat man uns alle in denselben Topf geworfen? Warum ließ man uns für die Taten einer Handvoll Großgrundbesitzer büßen? Warum machte man uns glauben, wir seien Fremdlinge auf der Erde, auf der unsere Väter, Großväter und Ururgroßväter zur Welt gekommen sind, seien die Thronräuber eines Landes, das wir mit eigenen Händen erbaut und mit unserem Schweiß und Blut gedüngt haben …? Solange wir darauf keine Antwort haben, wird die Wunde niemals heilen.“

Wenn sich an diesem Roman eine kleine Schwäche finden ließe, so wäre dies mein Eindruck, dass Khadra es nicht durchgehend schafft, sein bemerkenswertes Sprachniveau vom Anfang zu halten - man schwebte ja förmlich von Satz zu Satz - so dass die Schilderungen einzelner Szenen, seien sie auch noch so interessant, vergleichsweise etwas platt daherkommt.  

Dies tut der Qualität des gesamten Romans allerdings keinen Abbruch, vor allem auch weil die Botschaft des Romans so konsequent und ausgezeichnet vermittelt wird, dass es einen emotional nicht kalt lassen kann. Inhaltlich ist der Roman nämlich vor allem deshalb sehr schön, weil er zeigt, dass das Wichtigste im Leben, nämlich Freundschaft und die Liebe sowie die Hoffnung auf Versöhnung, alles überdauert, jedes Missverständnis gleich welcher  Art, Kriege, Schicksalsschläge und sogar den Tod.

Es ist ein Buch, das trotz winziger Schwächen durchaus lesens- und empfehlenswert ist und das einem auch nach beendeter Lektüre nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird. Yasmina Khadra, der seit 2000 selbst im Exil lebt und erst dann sein Pseudonym lüften konnte (denn eigentlich heißt er Mohammed Moulessehoul), wurde vollkommen zu Recht für diesen Roman hochgelobt und mit Preisen ausgezeichnet.

www.bookreporter.de

Aus Sicht eines alten Mannes wird sein Leben erzählt. Wie er im Algerien der 1930er Jahre auf dem Land aufwächst, wie die Familie aufgrund von Armut ihr Land aufgeben muss und in die Stadt ziehen muss. Wie der Junge dort ein völlig neues Leben kennenlernt. Wie er auf seine große Liebe verzichtet, weil andere Werte wie Freundschaft ihm noch wichtiger sind.

Und dies alles in der hochspannenden Geschichte Algeriens im 20. Jahrhundert, die mir so überhaupt nicht geläufig war. Das historische in diesem Buch fand ich daher noch viel interessanter als die Geschichte des Protagonisten, aber beides zusammen hat daraus ein wunderbares lesenswertes Buch gemacht!

4

Ein wunderbares, warmherziges Buch.

Mit 10 Jahren kommt der Junge Younes zu seinem kinderlosen Onkel und dessen Frau, da der Vater nach vielen Rückschlägen die Familie nicht mehr ernähren kann. Hier lernt er Wohlstand kennen, erhält eine Schul-und Ausbildung und findet zum ersten Mal in seinem Leben Freunde. Fortan heißt er Jonas.

Wegen einer Affäre in jungen Jahren darf er sich nicht zu seiner großen Liebe Emilie bekennen. Dieser Verzicht verändert sein Leben und die Freundschaft zu seinen drei besten Freunden. Ruhelos gerät er zwischen die Fronten des Algerien Krieges. Erst im hohen Alter versöhnt er sich mit seinem besten Freund.

Dieses Buch hat mich stark berührt. Ich habe erfahren wie gut es uns in der westlichen Welt doch geht. Was ein Mensch fühlt und denkt, der nicht richtig weis, wo er hingehört. Was Stolz und wahre Freundschaft bedeutet und ein einmal gegebenes Versprechen, das Jonas noch über seine große Liebe stellt.

Ein bewegendes geschriebenes Buch, was mich lange zum Nachdenken anregte.

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Die Schuld des Tages an die Nacht

Der arabische Junge Younes wächst im Algerien der 20er Jahre in ärmlichen Verhältnissen auf. Als sein Vater keinen anderen Ausweg mehr sieht, bringt er ihn zu seinem wohlhabenden Onkel. Man begleitet Younes, dessen Name im Laufe der Jahre zu Jonas abgeändert wird, auf seinem Lebensweg, lernt seine Freunde und später auch seine große Liebe kennen und gleichzeitig erfährt man, wie Algerien sich über diese Zeit verändert hat.

Das Buch hat wirklich sehr interessant und stark begonnen, um dann immer mehr nachzulassen. Die erste Hälfte hat mir noch sehr gut gefallen, man sieht den kleinen Younes aufwachsen, liest, wie er sich in der großen Stadt Oran zurecht findet, nachdem er die ersten Jahre seines Lebens auf dem Land gewohnt hat, fühlt mit ihm, als er alles Vertraute hinter ihm lässt und in ein neues Leben aufbricht und erfährt nebenbei auch immer wieder interessante Dinge über Algerien. Auch spürt man die Gegensätze, zwischen denen Younes als Araber unter Europäern feststeckt.

Leider verkommt die Geschichte in der zweiten Teil immer mehr zu einer uninteressanten, langweiligen Liebesgeschichte. Das politische und gesellschaftliche Geschehen in Algerien tritt immer mehr in den Hintergrund, obwohl das alles viel interessanter wäre, als die eigentliche Handlung des Buches. Zusätzlich wird das Verhalten der Hauptperson immer unerträglicher. Younes/Jonas bleibt während seines ganzen Lebens passiv, nie greift er aktiv in das Geschehen ein, immer lässt er sich nur treiben und alles mit sich geschehen, ohne jemals Widerspruch zu leisten oder sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dieser Charakterzug ist nur schwer nachzuvollziehen und auch kaum zu ertragen.

Auch sprachlich konnte mich das Buch nicht überzeugen, was allerdings auch an der Übersetzung aus dem Französischen liegen könnte. Die Sprache wechselt zwischen stark umgangssprachlichen Begriffen zu übertriebener Hochgestochenheit innerhalb weniger Sätze, außerdem wird nicht klar, warum einige Begriffe oder gar ganze Sätze kursiv gesetzt sind. Ein Glossar, der fremde Begriffe erklärt, wäre hilfreich gewesen, fehlt hier aber.

Insgesamt muss ich leider sagen, dass das Buch in der zweiten Hälfte nicht hält, was die erste Hälfte versprochen hat.

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Yasmina Khadra erzählt in seinem Buch „Die Schuld des Tages an die Nacht“ von dem Leben eines Mannes in Algerien zur Zeit der französischen Kolonien und des darauf folgenden Algerienkrieges.Die Geschichte Algeriens wird auf eine interessante und fesselnde Art rübergebracht, ohne nach einem Geschichtsbuch zu klingen und verdeutlicht das Leid und die Ängste, von beiden Seiten, die die Menschen durchlebt haben.

Dadurch, dass die Hauptperson Younes ein Algerier und Moslem ist und seine Freunde und die Menschen in der Umgebung in der er aufwächst Franzosen und Christen sind, wird der kulturelle Unterschied um so deutlicher gemacht. Es ist erstaunlich, wie Menschen in ein fremdes Land kommen, die dortige Bevölkerung unterdrücken und das Land als Ihres zählen können. Die Eigenschaft der Menschen, nur sich als das Richtige und Gute zu sehen wird wahrscheinlich immer bestehen bleiben, egal in welchem Land sie leben und dadurch wird sich leider ein Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen immer als problematisch darstellen.

Zu der Geschichte des Landes kommt die Geschichte eines Lebens und einer unerfüllten Liebe dazu, die den Leser unheimlich fesselt und zum Nachdenken bringt. An einigen Stellen wird man dazu gebracht kurz inne zuhalten und über das Geschriebene nach zu denken. Die unerfüllte Liebe berührt einen sehr und man fängt an sich zu fragen wieso man doch so viele Sachen in seinem Leben verpasst, weil man zu stolz, zu feige zu sprachlos... ist um die Dinge in die Hand zu nehmen.

Eine Textzeile die mir sehr in Erinnerung geblieben ist und mich zum Nachdenken gebracht hat war diese:              „wer die schönste Geschichte seines Lebens verpasst, wird alleine mit seiner Reue altern, und alles Seufzen wird seiner Seele keine sanfte Wiege sein...“

 

 

Yasmina Khadra ist mit seinem Roman "Die Schuld des Tages an der Nacht" ein sprachliches Meisterwerk gelungen. In schöner gesetzter Prosa führt er den Leser durch die Lebensgeschichte von Younes, eines algerischen Jungen, der als Sohn eines später verarmten Bauern geboren, von seinem Onkel, einem Apotheker aufgezogen wurde und so in die französische Kolonialgesellschaft Algeriens vor dem 2. Weltkrieg hineingewachsen ist. Als einziger Araber wird er zwar nach einigen Repressionen in seiner Jugendzeit von seinen französischen Freunden als Jonas akzeptiert, fühlt sich jedoch immer ein bisschen fremd und ist stets bemüht, das Wohlwollen seiner Freunde nicht zu verspielen. Der gleiche alles umfassende Ehrbegriff, der seinen Vater einst davon abhielt, die Hilfe seines Bruders anzunehmen und ihn so zugrunde richtete, wird auch Jonas zum Verhängnis. Als Emilie, die allen seinen Freunden den Kopf verdreht hat, sich ihm buchstäblich zu Füssen wirft, weist er sie ab, dem Versprechen treu, das er ihrer Mutter gegeben hatte, ihre Tochter nicht anzurühren. Zudem schien sie zu jenem Zeitpunkt mit einem seiner Freunde liiert zu sein, ein weiterer Grund dafür, das sie für ihn unantastbar blieb. Als er viele Jahre später nochmal einen Versuch wagt, sie zurückzugewinnen, lehnt sie ab. Als sich Jahre später - Younes ist bereits 80, hat geheiratet, drei Kinder und mehrere Enkel - treffen sich die alten Freunde anlässlich der Beerdigung von Emilie wieder. Ein Brief, den sie ihm hinterließ, söhnt ihn mit seiner Vergangenheit aus und er fährt zufrieden wieder in seinem Heimat.

Das erstaunlichste an diesem Buch ist die kühle Art und Weise, in der Jonas beschrieben wird - alle Ereignisse und Emotionen, die in ihm toben sollten, scheinen irgendwie an ihm abzuprallen. Er wirkt wie eine Figur hinter Glas, immer gedämpft, zurückhaltend, den inneren Sturm nach aussen verbergend. Diese scheinbare Unberührbarkeit wird vor allem durch seine Unfähigkeit, Gefühle zu kommunizieren erzeugt, selbst in den emotionalsten Momenten reagiert er nur mit Schweigen.

Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, dessen Lektüre ich nicht zuletzt wegen der Sprache sehr genossen habe!

 

 

 

 

 

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Das Buch erzählt die Lebensgeschichte eines kleinen Jungen, der in Algerien aufwächst.

Younes lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester auf dem Land, der Vater bewirtschaftet Getreidefelder. Durch einen Brand wird die Ernte und damit die Zukunft und die Existenz der Familie vernichtet und so beschließt der Vater, mit seiner Familie in die Großstadt Oran zu ziehen. Dort lebt auch der Bruder des Vaters mit seiner Frau, kinderlos, Besitzer einer Apotheke, finanziell abgesichert. Doch Younes Vater ist zu stolz, seinen Bruder um finanzielle Unterstützung zu bitten. So lebt er mit seiner Familie im Elendsviertel Orans, kämpft ums Überleben, bis er sich schweren Herzens entschließt, seinen über alles geliebten Sohn Younes in die Obhut seines Bruders zu geben, um wenigstens ihm eine Zukunft zu sichern. So wächst Younes als Araber zwischen den Algerien-Franzosen auf und hört von da an auf den Namen Jonas.

Trotzdem er seine Familie vermisst, wächst Jonas in geordneten Verhältnissen auf, geht zur Schule, findet gute Freunde, die ihn durch seine Kinder- und Jugendjahre bis ins Erwachsenenalter hindurch begleiten. Seine große, aber hoffnungslose Liebe zu Emilie, die leider nie ausgelebt werden kann, sowie der innere Konflikt Jonas, zwischen beiden Welten (der arabischen und der europäischen) hin- und hergerissen zu werden, bestimmen und belasten sein ganzes Leben. Das alles geschieht vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges, sowie des Unabhängigkeitskrieges Algeriens und wirkt sich auch auf seine Freundschaften aus.

Der Autor versteht es sehr gut, den Konflikt, die innere Zerrissenheit, in der sich Jonas sein ganzes Leben befindet, dem Leser nahezubringen. Man fühlt mit Jonas, als die Jugendfreundschaften auseinanderbrechen und freut sich mit ihm, als sich die Freunde  im hohen Alter noch einmal wiedersehen. Und man ist mit ihm traurig, dass seine große Liebe zu keinem glückelichen Ende führt.

 

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Mit achtzig Jahren blickt Jonas auf sein Leben in Algerien zurück. Als Younes auf dem Land geboren, kommt er, nach einem schlimmen Schicksalsschlag, zusammen mit seiner Familie nach Oran. In seiner Verzweiflung über die hoffnungslose Lage gibt der Vater ihn weg, um ihm bei seinem Onkel ein besseres Leben zu ermöglichen. Mahi und seine französische Frau Germaine adoptieren ihn, und fortan ist er Jonas und lernt die besseren Seiten des Lebens kennen. Nach einem Umzug in den kleinen Ort Rio Salado freundet sich Jonas schnell mit drei Jungs an, und die Vier werden unzertrennlich. Zusammen genießen sie unbeschwert die Jugend, die Sommertage am Meer, und als eines Tages die schöne Émilie auftaucht, verdreht sie allen Freunden gleichermaßen den Kopf. Ihre wahre Liebe aber gehört Jonas. Jedoch finden die beiden kein gemeinsames Glück. So verschlossen wie sein Heimatland, so gibt sich auch Jonas, aus übersteigertem Ehrgefühl und Stolz, aber auch aus mangelndem Selbstwertgefühl und vielleicht auch aus Schüchternheit verspielt er seine Chance. Dass Jonas und Émilie nicht zueinander finden, liegt meiner Einschätzung nach allerdings nicht an den unterschiedlichen Kulturen und Völkern, denen sie angehören, sondern es ist die Unfähigkeit zweier junger Menschen, sich mitzuteilen und für ihr persönliches Glück einzusetzen.

 

Den Rahmen für die schicksalhafte Begegnung der beiden bildet das aufgewühlte Algerien im Umbruch, auf der Suche nach einer eigenen Identität und Freiheit, ohne den Zwang durch die französischen Kolonialherren. Die politischen Geschehnisse erfährt der Leser zwar meist nur am Rande, aber ich fand es äußerst interessant, einen Einblick in die Entwicklung dieses Landes zu bekommen. Die Beschreibungen des Ich-Erzählers sind wunderschön, in blumiger Sprache und meist begleitet von einer tiefen Melancholie.

Das Ende des Romans hat mich aufgewühlt, etwas traurig und nachdenklich zurückgelassen. Die letzten, weisen Worte von Jonas' verstorbenem Onkel bleiben noch lange in Erinnerung: "Wer die schönste Geschichte seines Lebens verpasst, wird allein mit seiner Reue altern, und alles Seufzen wird seiner Seele keine sanfte Wiege sein....."

Liebe Grüße Klusi

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Ich habe dieses Buch mit gemischten Gefühlen angefangen zu lesen, da mich solche Lektüre ansonsten nicht wirklich interessiert. Doch jetzt nach Beendigung des Buches muß ich sagen: Spitze! Ich bin froh mich auf diese interessante Lektüre eingelassen zu haben.

Das Buch beginnt in den 30er Jahren, der Zeit zwischen den Weltkriegen, dem algerischen Unabhängigkeitskrieg und endet bei Wiedersehen der Freunde in Frankreich ein halbes Jahrhundert später.

Younes wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, bis sein Onkel ihn zu sich nimmt um ihm eine vernünftige Schulausbildung zu ermöglichen. Er verlässt seine Eltern und Schwester um von nun an bei seinem Onkel unter dem Namen Jonas zu leben. Dort wächst der Araber zwischen den Algerien-Franzosen heran und muß sich durchsetzen. In der Schule lernt er die europäischen Werte kennen und erlebt die Rolle des Außenseiters. Doch bald findet er Freunde Jean-Christophe, Simon und Fabrice. Diese Freunde gehen durch dick und dünn. Bis Emelie hinzukommt. Sie ist die Tochter einer reichen angesehenen Witwe im Dorf und verdreht allen vier Freunden sofort den Kopf. Jonas jedoch der eine kurze Affäre mit Ihrer Mutter hatte, mußte dieser schwören Emelie nicht anzurühren. Deshalb heiratet Emelie, nachdem Jonas sie erneut abweist, seinen Freund Simon. Aufgrund einiger Schicksalsschläge bzw. die Macht des Krieges kommen Emelie und Jonas immer wieder kurz zu einander. Ihre Liebe jedoch finden Sie nicht. Anlässlich Emelies Tod treffen sich die übrig gebliebenen Freunde am Ende des Buches in Frankreich wieder.

Ich fand das Buch sehr interessant geschrieben und es hat mir einen kleinen Einblick in das algerische Leben zwischen Arm und Reich gegeben.

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leider bin ich aber vom Buch sehr enttäuscht.

Es begann vielversprechend mit Younes Kindheit auf dem Lande. Der unnahbare konservative Vater arbeitete fleißig auf dem Feld. Doch noch bevor er den Lohn seines Fleißes ernten konnte, vernichtete ein Feuer alles, damit die Lebensgrundlage und Hoffnung der Familie, die nun gezwungen war, in der Stadt ihr Glück zu versuchen. Nachdem die Familie weitere Schicksalsschläge zu verkraften hatte, wuchs Younes bei seinem Onkel im europäischen Viertel auf und wird zu Jonas.

Der Autor wählt für seinen Roman eine sehr bildliche Sprache, die dem Leid, welches über die Familie hereinbricht, gerecht wird. Die Handlung spielt in den 30er Jahren in Algerien, und so hoffte ich, das dortige Leben und die Menschen näher kennenzulernen. In der Vorankündigung zu diesem Buch wurde die Zerrissenheit Jonas zwischen zwei Kulturen  sowie der Kampf um seine große Liebe Emilie erwähnt. Nichts von all dem konnte ich lesen. Historische Ereignisse spielten sich nur am Rande ab, der Kampf um Emilie entpuppte sich als Schweigen in entscheidenden Situationen, und gearbeitet wurde scheinbar nur, wenn es sich anbot. Die Protagonisten genossen das Leben in der Sonne ohne Entbehrungen.

Die bildliche Sprache des Autors wurde zunehmend blumiger, hatte Längen und langweilte. Er erging sich in philosophischen Ausführungen, ohne auf den Punkt zu kommen. Auch Erklärungen zum arabischen Alltag und politischen/geschichtlichen Ereignissen fehlten mir. Für Jonas konnte ich keine Sympathie empfinden. Alles fiel ihm in den Schoss, jedoch erging er sich in Selbstmitleid, war launisch und wankelmütig. Seine Familie begann er erst zu vermissen, als Schwierigkeiten auftraten. Er wunderte sich über Emilies ach so ungerechtes Verhalten, konnte aber nicht erkennen, dass er es selbst verschuldet hatte. Bis zum Schluss blieb mir auch verborgen, warum er sie eigentlich abgewiesen hat. Die Veränderungen seiner Freunde schob er Vorurteilen seiner Abstammung gegenüber zu, welche jedoch in keinster Weise von irgendjemanden geäußert wurden. Ich kann einfach kein Unrecht erkennen. Lediglich eine Situation arbeitete der Autor heraus, die die Konflikte in Algerien andeutete. Am Schluss des Buches wurden außerdem die Ereignisse des Unabhängigkeitskampfes kurz geschildert. Das alles ist mir zu wenig. 

"Die Schuld des Tages an die Nacht" ist weder ein gesellschaftskritischer noch ein Liebesroman. Was er ist, kann ich nicht benennen. Mir hat das Buch nicht gefallen und die 414 Seiten wollten so gar nicht enden. Lediglich für den Anfang und das Ende vergebe ich 1 Stern.

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Yasmina Kahdras Werk " Die Schuld des Tages an die Nacht" ist ein Buch der leisen Worte. Ein Buch über den Stolz.

Der Leser taucht ein in das Leben in Algerien von 1930 bis heute. Er begleitet den Jungen Younes, später Jonas, auf seinem Lebensweg. Als Sohn armer Bauern muss er mitansehen, wie die Ernte seines Vaters in Flammen aufgeht. Die Ernte, die der Familie helfen würde, ein besseres Leben beginnen zu können und die Ernte, deren Verlust den Ruin der Familie bedeutete. Sie muss in die Stadt fliehen, wo der Vater erst jegliche hilfe ausschlägt. Selbst als Younes sein eigenes Geld verdient, um dem vater zu helfen, reagiert er nicht stolz sondern ärgerlich. Zu groß ist der eigene Stolz, zu groß die Angst, sich helfen zu lassen und dadurch das Gesicht zu verlieren. Sehr schwer fällt ihm die Entscheidung, seinen einzigen Sohn seinem Bruder anzuvertrauen, einem Apotheker, damit Younes die Chance auf ein besseres Leben hat. So wurde aus Younes Jonas.

Auch Jonas hat eigenen Stolz. So gewinnt er seine besten Freunde dadurch, dass er sie nicht verrät. Er verzichtet auf die Liebe seines Lebens, weil diese Frau, die ihn auch über alles liebt, das Herz seines besten Freundes gestohlen hat. Die Liebesgeschichte des Buches bleibt also unerfüllt und doch ist sie voll Wärme und Herzlichkeit, wie man sie selten liest.

Dieses Buch hat mich schwer beeindruckt. Ich habe viel über Algerien und besonders über dessen bewohner und ihre gefühle erfahren. Ich habe gelernt, was Stolz und Ehrgefühl bedeutet und wie wichtig Freundschaft ist. Es ist keine leichte Kost und beschäftigt den Leser auch in den Lesepausen. Die Helden des Buches sind nicht besonders lustig, seltsam oder tapfer, wie es Helden normalerweise sind, sie zeichnen sich allein durch ihre Charakterstärke aus. Es ist ein Buch der leisen Worte, welches einen mitten ins Herz trifft und welches meiner Meinung nach in jedes Bücherregal gehört!

 

 

 

4

Der Autor Yasmina Khadra hat mich schon mit seinem Roman "Die Attentäterin" gefesselt und auch sein neues Buch entführt den Leser wieder nach Algerien und in eine Welt, die der unseren sehr fremd ist.

Younes wächst in einfachsten Verhältnissen auf, als sein Onkel sich bereit erklärt, ihm eine fundierte Schul- und Ausbildung angedeihen zu lassen. Younes muss sich von seiner Familie trennen und lebt von nun an unter dem Namen Jonas bei seinen Verwandten. Jonas hat es nicht leicht als Araber in der Gesellschaft Fuß zu fassen und Yasmina Khasdra lässt den Leser teilhaben an seinem Freud und Leid, an Entbehrungen, tiefen Gefühlen, Liebe und Hass.

Ein lesenswertes und fesselndes Buch, wenn ich mir auch etwas mehr Informationen über die politischen Hintergründe gewünscht hätte.

 

3

Ich find das Buch eigentlich gar nicht so schlecht aber die Leseprobe hat doch weitaus mehr Gefühl versprochen.

Der Anfang und das Ende sind Gefühle pur wo auch gerne mal ein Tränchen fliesst aber der Mittelteil ähnelt doch eher einer Erzählung wie einem guten Roman etwas langweilig gestalltet.

Alles in Allem aber ein gutes Buch zum lesen für mich aber kein Bestseller.

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