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Wie bereits in meinem ersten Leseeindruck kurz beschrieben, ist mir Algerien völlig fremd. Mich freut es immer wieder, über neue Kulturen und (mir) fremde Länder über eine Geschichte mehr zu erfahren. Die andere Welt wird oftmals einfacher zugänglich als z.B. ein Sachbuch.
Younes/Jonas geht es anfangs wohl nicht anders. Erst übersiedelt der Vater die Familie nach Oran, später wird der Junge seinem Onkel und dessen Frau überlassen, die ihm ein vermeintlich besseres Leben bieten können. Auch die neue Familie stößt auf Schwierigkeiten und er zieht erneut in eine andere Stadt. In der Schule und selbst im Kreise seiner Freunde fühlt er sich doch immer als ein anderer, als "der Araber".
Yasmina Kadhra verfolgt die Geschichte des Hauptprotagonisten und auch die Geschichte des Landes über den Großteil des Lebens in einer sehr eindrucksvollen Sprache. Wie ich mir erhofft habe, habe ich letztendlich ein Stück der Kultur Algeriens, wenn auch nur einen kleinen Teil, erfahren bzw. erlesen.
Kein einfaches Buch, aber ein interessantes.
Die Schuld des Tages an die Nacht erzählt die Lebensgeschichte von Jonas und Younes, einer Person, zweier Herzen und Identitäten. In der Zeit eines ganzen Lebens verliert er geliebte Menschen an seiner Seite und die Gewissheit, wohin seine Person eigentlich gehört, welches Volk das seine ist, wem er eigentlich die Treue schuldig geblieben ist:
Sich selbst, seiner Liebe, seinen Freunden, seinem Volk ... Oder doch eher dem durstigen Wunsch nach der Unabhängigkeit und Unterdrücksungsrevolte einer ganzen Nation?
Doch dieses Meisterwerk Yasmina Khadras ist viel mehr als nur ein Identitätsroman:
Er ist zarte Liebesgeschichte und berichtet von einer Liebe, die nie ganz geboren wurde.
Er ist Familienroman und offenbart uns eine Familie, die am Ende gar nicht mehr existiert ... Zumindest nicht außerhalb der Gedanken und Erinnerungen unserer Lebenden. (Sehr schön und eigentlich perfekt drückt der Protagonist es zum Schluss des Romanes selbst aus:
Und da stehen sie alle, die Toten und Lebenden, vollständig hinter der Glaswand versammelt, und winken mir zum Abschied zu.)
Ich war schnell vollkommen gefesselt von dieser Geschichte eines fernen Landes, eines Volkes, von dem man außerhalb der historischen Daten kaum etwas weiß. Vor allem aber auch von den Charakteren selbst, die Khadra in seinem Roman anlegte:
Ich bin selten so authentischen, unterschiedlichen und warmherzigen, aber auch sehr seltsamen Charakteren begegnet. Irritiert hat mich vor allem Jonas selbst - dies ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich in dieser wahnsinnig echten Geschichte finden konnte:
Jonas bleibt über die ganzen fast 420 Seiten hinweg ein Mensch, der kaum Emotionen nach Außen hin frei lässt. Fast stoisch lässt er die Liebe seines Lebens für ein (falsches?) Gefühl der Ehre gehen, liebt sie bis an sein Lebensende nur noch in Gedanken. Das hat eine Traurigkeit, dass mich der Roman fast weinen lies.
Allgemein ist er von einer kaum auszuhaltenden Melancholie und Traurigkeit durchzogen, die einen im tiefsten Inneren erfasst:
Es bedarf dafür keiner Kunstgriffe des Massentodes, sondern lediglich des Schreibstils Khadras, der seine Protagonisten so leben und sterben lässt, dass sie am Ende von ihrer Einsamkeit fast verschlungen werden, von ihrer Traurigkeit überrollt, von ihrer verlorenen Liebe bis in den Wahnsinn verfolgt werden. Es gab zuviele Melancholiemomente, um sie alle aufzuzählen (einer der schönsten war für mich der, als Jonas die vertrocknete Blüte über Émilies Grabeserde ausstreut), zuviele tolle Formulierungen, um sich an sie alle zu erinnern.
Khadra hat mit diesem Werk die empfindlichste Stelle des Lesers getroffen:
Das äußerste Innere seines Herzens.
Er hat einen faszinierenden Roman über die Liebe und den Hass in unserem Leben geschrieben, das sich Erinnern und Vergessen, die Freundschaft, Liebe und das Ehrgefühl, den falschen Stolz und die Sogwirkung der Revolution.
Sein Werk zählt ganz offiziell zu meinen liebsten Lektüren, ich würde es (fast) vorbehaltlos weiterempfehlen.
Von Beginn an fühlte ich mich versetzt in eine andere Zeit und eine andere Kultur. In einer sehr emotionalen Sprache erzählt der 10jährige Bauernjunge Younes von seiner Familie. Die Geschichte beginnt Anfang der 1930er Jahre in Algerien.
Issa, der Vater von Younes muss sein Land verpfänden und zieht in die Stadt. Da Issa ein stolzer Mann ist, schlägt er die Hilfe seines Bruders aus und versucht allein sich eine neue Existenz aufzubauen. Doch alle Anstrengungen bringen Issa nicht weiter und so beschließt er Younes in die Obhut seines Bruders, dem Apotheker zu geben. Dieser adoptiert mit seiner Frau Younes, der nun Jonas genannt wird. Nach einem Umzug lebt die Familie in Rio Salado und Jonas geht zur Schule und hat zum ersten Mal richtige Freunde. Doch ab und zu bekommt Jonas zu spüren, dass er nur Araber und Muslime ist.
Die Einblicke in die Geschichte Algeriens in der Zeit von 1930 bis 1960 sind sehr eindrucksvoll durch die Erlebnisse von Jonas geschildert worden. In einer sehr bildhaften schönen Sprache hat es Yasmina Khadra verstanden den Leser auf diese Zeitreise mit zu nehmen und zu fesseln.
Ich habe zuvor noch nie von dem Schriftsteller Yasmina Khadra gehört oder gelesen. Da der Name weiblich klingt, war ich zudem überrascht, dass es sich hierbei um einen männlichen Schriftsteller handelt, der den Namen seiner Frau als Pseudonym verwendet. Dies hat mich schon zu beginn sehr neugierig gemacht.
Das Buch ist aus der Sicht von Younes, der Hauptfigur des Romans geschrieben. Er ist aufgewachsen in Algerien, kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Es geht um Familie, Freundschaft und Liebe. Auch Politik und Religion spielen hier eine gewisse Rolle. Man erfährt viel über Algerien zu der Zeit als die Franzosen die Macht hatten.
Das Buch ließt sich flüssig und sehr bildhaft. Man taucht ein in eine Gesichte aus einer anderen Welt und lässt sich mitreißen. Das Buch ist sehr emotional geschrieben und hat mich ziemlich berührt. Besonders das Ende hat mich ziemlich beeindruckt.
Es ist meiner Meinung nach ein sehr lesenswertes Werk.
Algerien in den 1930ern, yousan ist 10 Jahre alt und lebt mit seiner Familie auf einer Farm. Die Zeiten sind nicht wirlich rosig, das Land wird von Armut und Hunger beherrscht - doch Yousans Vater scheint Glück zu haben, denn er bald wird er eine üppige Ernte ernten... Jedoch steht das Schicksal nicht auf der Seite der Familie, kurz vor der Erntezeit werden die Felder in Brand gesetzt und die Familie verliehrt ihre Farm. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in die Stadt zu ziehen. Dort will Yousans Onkel der Familie unter die Arme greifen, doch der Vater ist zu stolz. Die Familie zieht in einen Slum, haust in einer ein Zimmer Hütte. Beherrscht durch falschen Stolz, dass er keine Hilfe von seinem Bruder annimmt gibt Yousans Vater die Hoffnung nicht auf, will es aus eigener Kraft schaffen seiner Familie ein besseres Leben zu bieten. Jedoch bald folgt der zweite Schicksalsschlag, welcher dazu führt, dass Yousan zu seinem Onkel zieht. Hier hat der die Möglichkeit eine Schule zu besuchen und Bildung zu genießen. Yousan wird nun Jonas genannt...
Algerien ist damals noch französische Kolonie, es werden sehr gut die Unterschiede zwischen den reichen Christen und armen Moslimen aufgezeichenet, auch die Probleme, die Jonas hat auf Grund seiner Herkunft. Tradition steht der Moderne gegenüber, Algerien gegenüber Frankreich.
Das Buch erzählt die Geschichte von Jonas, wie er in Algerien aufwächst, erwachsen wird, sein Leben lebt, geprägt durch die Gegensätze, die Algerien prägen. Besonders die politischen und gesellschaftlichen Begebenheiten machen das Buch sehr interessant.
Inhalt: Jonas wächst in Algerien bei seinem Onkel auf und gerät zwischen die Fronten im Krieg zwischen den Franzosen und den eigentlichen Herren des Landes. Am Ende muss er sich für eine Seite entscheiden...
Meine Meinung: Ein wunderschönes, poetisches Buch. Man erfährt sehr viel über Algerien zur Zeit der französchen Herrschaft. Die Figuren sind sehr überzeugend dargestellt und man kann die meisten inneren Konflikte nachvollziehen. Die Schilderung von Jonas Leben bevor er bei seinem Onkel leben konnte ist sehr eindrucksvoll und man denkt noch lange darüber nach in welcher unvorstellbaren Armut die Leute in der Stadt leben mussten.
Zum Lebensweg von Jonas: Manchmal möchte man Jonas treten und aus seiner Lethargie reissen. Wie kann man sich nur dermassen an einem gezwungenen Schwur halten, zumal die betreffende Person schon lange aus seinem Leben verschwunden ist. Jonas Freunde dagegen sind manchmal etwas blass geblieben in der Schilderung, gerne hätte ich auch über sie noch etwas mehr erfahren.
Der Schluss hat mich sehr berührt und ein wenig überrascht.
Ich war am Anfang etwas irritiert, weil ich die ganze Zeit während des Lesens dachte, das Buch klingt so als ob es von einem Mann geschrieben wäre, aber der Name der Autorin ist weiblich. Erst am Schluss habe ich die Umschlagsseite genauer angeschaut und das Rätsel wurde gelöst. Das Titelbild passt sehr gut zum Inhalt des Buches, und das Buch selber sieht sehr hochwertig und edel aus.
Fazit: Ein Buch mit Tiefgang, das einen in eine interessante Welt eintauchen lässt und noch lange nachhallt
Ein wunderbares Buch!
Die Geschichte von Younes, der erlebt wie die Träume seines Vaters immer wieder aufs Neue, wie der Mensch zu dem er aufsieht bricht und ihn schließendlich bei seinem Bruder abgibt um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen als er ihm bieten kann... eine sehr traurige Geschichte von ehrlichen Menschen, die durch Neid alles verlieren können. Eine Geschichte über einen Jungen, der gemeiden wird, wenn die Kinder ringsum erfahren, dass er Algerier ist. Ausgrenzung wird erfahren. Freundschaft, die erste Liebe...
Alle Facetten des Lebens sind in diesem Buch so echt geschrieben, dass der Leser mitleidet. Die Sprache des Autors ist faszinierend und macht das Lesen dieses Buches zu einem großen Vergnügen.
Inhalt:
Younes wird als Bauernjunge geboren. Als die Ernte seines Vaters, die in ihrer Blüte stand, abbrennt, zieht die Familie, vertrieben von Gläubigern, nach Oran, um ihr Glück zu versuchen. Dort ist das süße und bittere Leben miteinander vermischt. Es gibt solche Gegenden voller Glanz und Gloria und ebensolche voller Schäbigkeit und hoffnungslosen Gestalten…
Schreib-/Erzählstil:
Die teils schwermütige, dann wieder leichte Sprache, erklärt einem Liebe und Leid durch Worte, die man in Verbindung als wundervoll empfindet und sich gerne leiten lässt, in offensichtliche Feststellungen über Freundschaft und das Leben im Allgemeinen. Die Charaktere sind einfach und klar verknüpft, man wird nicht erschlagen von Irrungen, sondern findet für jede Person einen Platz und weiß diese, dank Khadras Erzählkunst, zu verstricken und zusammen zu führen.
Meine Meinung:
Oran. Die Stadt, die die Pest in den 1960er Jahren überlebt hat, blutet vor Leid, das Younes durch seine Familienverhältnisse erfährt. Als sein Vater merkt, dass er seinem Sohn eine bessere Zukunft bieten kann, gibt er ihn in die Obhut seines Bruders, Younes Onkel. Plötzlich heißt er Jonas. Er findet schwerlich seinen Weg, muss seine Herkunft verleugnen, Bitterkeit und Blässe schleicht sich in sein Herz. Hier ist der Zwiespalt und die Entrissenheit Younes‘ aus seiner eigenen Familie gut dargestellt. Ihm wird ein neuer Stempel aufgedrückt und Khadra vermischt langsam Younes‘ altes und neues Leben, bis Jonas gefestigt ist und seine Ziele in der privilegierten Welt feststecken kann.
Er sucht die einzig wahre Liebe, oder Schatten derer? Die Suche, die der Protagonist die über vierhundert Seiten, verfolgt, ist ein schmerzvolles Unterfangen. Man begegnet Widersachern, längst vergessenen Statisten und den Filmstars, die die politische Bewegung mit Händen anfassen. Hunderttausende sterben für Unabhängigkeit, Jonas setzt seine Suche fort. Nach ihm selber, seiner Vergangenheit, einem Zeichen. Es ist depressiv und zugleich so wahr. Wir suchen alle. Egal, ob wir Vergangenem nachtrauern und doch noch weiterstolpern möchten, oder die Zukunft ungewiss ist und wir unseren Platz finden wollen. Dabei ist es erstaunlich, welche Menschen uns formen und Rat geben, uns brechen wollen, gegen wen wir uns wehren, um anderen in die Arme zu fallen.
Fazit:
Überwältigend! Die politische Situation ist neutral ausgedrückt, Khadra spricht nicht durch seinen Protagonisten, da dieser keine Stimme hat. Aufgrund des Herzschmerzes ist dieser gefangen in sich selbst und als mir hinterher die Tränen aus den Augen brachen, so weinte ich um alles, was Jonas verraten hatte, um ein halbes Leben gelebt zu haben.
"Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste." (Heinrich Heine) http://rebellyell666.blogspot.com/ "Bücher? - Das geht ein, zwei Jahre gut, dann bist du süchtig!"
„Wer die schönste Geschichte seines Lebens verpasst, wird allein mit seiner Reue altern, und alles Seufzen wird seiner Seele keine Wiege sein…“ Einer der Sätze, die der Onkel des Erzählers hinterlässt. Und tatsächlich wird diese verpasste „schönste Geschichte seines Lebens“ ihn bis ins hohe Alter verfolgen. „War ich danach jemals glücklich gewesen? Ich glaube ja. Ich habe unvergessliche Momente und Freuden erlebt, habe wieder geliebt und geträumt, in mitunter kindlichem Überschwang. Dennoch kam es mir immer so vor, als ob in meinem Puzzle ein Teil fehlte, etwas nicht wirklich an seinem Platz war, als ob irgendwo ein Vakuum wäre, etwas mich gleichsam verstümmelte: kurz, als wäre ich nur auf der äußeren Umlaufbahn des Glücks unterwegs.“
Diese wunderschöne Geschichte wird uns aus der Ich-Perspektive eines algerischen Mannes erzählt, der auf die Ereignisse vor fünfzig Jahren zurückblickt, die in seiner Kindheit und Jugend stattgefunden haben. Diesen Rückblick merkt man aber kaum, nur manchmal wird er durch die Kommentare des älteren Younes deutlich.
Younes wächst auf einem Bauernhof auf mit einer Familie, die nicht mehr ans Leben glaubt. Ihr gemeinsamer letzter Hoffungsfunken ist eine Ernte, die sie nie bekommen, weil sie angezündet wird. Nach diesem Ereignis wandert die Familie in die Stadt aus. Younes' Vater versucht die Familie über Wasser zu halten, doch sie hungern und müssen ihr Leben im Elendsviertel fristen. Schließlich entscheidet sich der Vater, Younes wegzugeben, damit er eine Chance im Leben bekommt. So kommt Younes zu seinem Onkel und wird zu Jonas. Er lebt sich nach und nach ein und die anfänglichen Schwierigkeiten sind bald überbrückt, doch über den Verlust seiner Familie kommt er nie hinweg. Er sieht sie sehr selten und immer schickt ihn die Mutter schnell wieder weg - aus Angst, der Onkel nimmt ihn nicht wieder. Als sie aus Oran ganz wegziehen nach Rio Salado, muss sich Jonas schon wieder an eine neue Umgebung gewöhnen. Durch komische Zufälle gewinnt er aber drei beste Freunde, mit denen er all seine Zeit verbringt - bis Emilie in ihrem Leben auftaucht. In Emilie verlieben sich alle vier und durch Emilie wird ihre Freundschaft zerstört. Younes und Emilie lieben sich, doch sie dürfen einander nicht haben, das hat Younes geschworen. Emilie lässt sich auf alle drei ein, die mit Younes befreundet sind und heiratet schließlich den dritten. Durch den Krieg, der in Algerien aufkommt, wird ihr Ehemann Simon ermordet und sie flieht nach Frankreich. Sie geben sich nie wieder eine Chance...
Durch den Rückblick erfahren wir, dass Younes doch noch eine Frau für sich gefunden hat und doch war Emilie seine große Liebe, der er sein ganzes Leben hinterhertrauert...
Dieser Roman ist dermaßen traurig, dass man am liebsten die ganze Zeit beim Lesen weinen möchte. Aber es kommt dennoch nie das Gefühl auf, dass der Ich-Erzähler Mitleid haben möchte. Er möchte nur sein Schicksal erzählen und seine Fehler, die er im Leben gemacht hat, aufzeigen.
Natürlich kommt hier auch der Krieg zur Sprache, der für mich aber eher nebensächlich war - wie für Younes auch.
Rundum: Eine unbedingte Empfehlung!
ich habe das Buch sehr genossen. Wie schön eine solche Geschichte doch sein kann, wenn der Autor ein fähiger ist! Khadra beschreibt seine Figuren sehr lebendig, mit allen Schwächen mit allen Stärken. Dadurch wird die Erzählung lebendiger und man leidet mehr mit, man freut sich auch mit ihnen und hofft dass alles gut wird.
Schon der Anfang hat mich richtig gefangen genommen. Welch Mitleid habe ich doch empfunden als die Felder in Flammen aufgingen. Der arme Vater, der auch noch so gutgläug ist, oder zu schicksalsgläubig...dann wiederum empfindet man fast schon Hass wenn er alles als Beleidigung nimmt und seinen Sohn so tadelt.
Auch als der Junge zum Bruder sollte war es so schlimm einerseits obwohl man sich doch auf das bessere Leben für ihn freut. Dann entwickelt sich alles gut und auch Emilie wird plötzlich so wichtig!!!
Es war wirklich ein tolles Buch! Ich wollte gar nicht zum Ende kommen...es hätte aus 5 Bänden bestehen können, denn diese fremde Kultur, dieses Land hält einen so gefangen!
Man lernt ja auch immer etwas neues und so habe ich durch dieses Buch auch ein wenig über die Geschichte Algeriens gelernt und interessiere mich jetzt für dieses Land wie noch nie zuvor. Dieses Buch kann nur alle 5 Sterne erhalten, denn es ist so lebensnah, so lehrreich und einfach nur lesenswert!!!
Yasmina Khadras neustes Werk "Die Schuld des Tages an die Nacht" entführt die Leser in eine fremde und längst vergangene Zeit, in das Algerien der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts, vor der Islamisierung und zeigt durch die Augen der Hauptfigur Younes/Jonas gesellschaftliche Umbrüche.
Younes, gerade zehn Jahre alt, muss mit seiner Familie den vertrauten Hof verlassen, nachdem ein Feuer die Ernte zerstörte. Der Vater zieht mit seiner Frau und seinen Kindern in die Stadt, aus dem Bauernkind Younes wird zunächst der Bewohner eines Elendsviertel. Erst jetzt erfährt Younes, dass sein Vater einen Bruder hat, der dort als Apotheker arbeitet. Zunächst ist Younes´ Vater zu stolz, Hilfe von seinem Bruder anzunehmen, später gibt er Younes in dessen Obhut, was einen weiteren drastischen Wandel in Younes' Leben bedeutet. In Zukunft wird er Jonas heißen und findet neue Freunde, die ihn lange begleiten werden.
In poetischer Sprache erzählt Yasmina Khadra von Leben in einer Zeit des drastischen Umbruchs und Younes verkörpert diesen Wandel perfekt. Vom Land in die Stadt, vom algerischen Elendsviertel in Oran in die Stadt Rio Salado, die europäisch geprägt ist. Es geht um Freundschaft, Liebe und deren Konsequenzen, familiäre Bindungen und Verpflichtungen, die Menschen ein Leben lang begleiten können.
Wortgewandt fesselt Khadra seine Leser, nimmt sie mit nach Algerien und erweckt Land und Leute zum Leben. Ein sehr lesenswertes Buch von einem mir bisher unbekannten Autor.
P.S. Das Titelbild fängt perfekt die Stimmung des Buchs ein.
Ich mag Bücher wie Wüstenblume oder Drachenläufer, die mich in eine fremde Kultur entführen und aus dem Leben und vom Lebensgefühl anderer Menschen erzählen. Daher hat mich das Buch "Die Schuld des Tages am Ende der Nacht" von Yasmina Khadra auch sehr angesprochen. Es geht um das Leben von Yunes/Jonas, eines Mannes in Algerien im 20.Jahrhundert.
Der Beginn schildert ein einschneidendes Erlebnis aus der Kindheit des Ich-Erzählers. Als er 10 Jahre ist verliert seine Familie durch einen Brand ihr Heim und ihre Felder und muss in die Stadt ziehen. Armut und Verlust prägt das Leben des Jungen, Hoffnungslosigkeit und Ausgebeutet-Werden. Der Vater nimmt aus falschem Stolz das Hilfsangebot seines Bruders nicht an, der Apotheker ist und in europäischem Stil lebt. Younes´ Familie vergetiert in einem Elendsviertel. Als sie ganz am Ende sind, gibt der Vater Yunes seinem kinderlosen Bruder und dessen französischer Frau, aus Yunes wird Jonas, der nun ein ganz anderes Leben kennen lernt. Er geht zur Schule, wird auch Apotheker, lebt in Wohlstand. Hauptthema seiner Kindheit und Jugend ist die Freundschaft mit drei anderen Jungs, zusammen bilden sie die Clique der "Forkenzinken" und sind unzertrennlich - bis die schöne Emilie auftaucht, in die sich alle verlieben. Unglücklicherweise hatte Jonas eine kurze Affaire mit Emilies Mutter, die ihn schwören lässt, voneiner Beziehung mit Emilie Abstand zu nehmen. Dieser Schwur und die daraus sich entwickelnden Komplikationen beeinflussen das Leben der Freunde nachhaltig.
Der Text besticht durch seine schöne poetische Sprache. Ein ergreifendes interessantes Buch, das noch lange in mir nachklingen wird. Was für mich ganz neu war, ist der Einblick in die algerische Geschichte. Algerien war für mich immer der unbekannte islamische Nachbar meines Urlaubslandes Tunesien. Durch dieses Buch habe ich die ganz andere Seite des Landes vor der Islamisierung kennen gelernt und werde mich weiter schlau darüber machen.
Aix-en-Provence in der heutigen Zeit. Eine handvoll älterer Männer treffen sich in der französischen Stadt, um sich an ihre gemeinsame Zeit in Algerien zu erinnern. Bis auf den Araber Younes (franz. Jonas) sind sie allesamt "Pied Noirs", Algerienfranzosen, die in den 60er Jahren als Folge des Unabhängigkeitskrieges hals über kopf ihre Heimat verlassen mussten (la valise ou le cercueil, Koffer oder Sarg).
Anhand der Lebensgeschichte Younes´führt Yasmina Khadra dezent durch die geschichtliche Entwicklung des nordafrikanischen Landes (30er bis Mitte 60er Jahre) mit all seinen Folgen für die multikulturelle Bevölkerung. Ein großes Augenmerk fällt dabei auf den inneren Konflikt des Araber Younes, der als Sohn eines armen Bauerns geboren wird, zuerst in den Elendsvierteln Orans aufwächst und dann von seinem völlig verarmten Vater schweren Herzens in die Obhut seines wohlhabenden Onkels übergeben wird. Erst hier wird ihm ein unbeschwertes Leben und Schulbildung im europäischen Teil der Stadt gewährt. Obwohl er rein äußerlich nicht direkt als Araber zu erkennen ist, muss er sich trotzdem mit seinem Anders sein, inmitten europäischstämmiger Freunde, auseinandersetzen und so manchen Tiefschlag, auch in der Liebe, ertragen. Dabei ist ihm nicht selten seine Wesensart im Weg. Als Leser möchte man ihn das eine oder andere Mal gerne packen und schütteln oder den berühmten Tritt in den Allerwertesten geben, eben besonders, wenn es um seine Liebe zu Émilie geht. Und hier sind wir direkt bei einer der besonderen Stärken dieses Buches. Seine Menschen beschreibt Khadra realistisch, lebendig und sehr menschlich, mit all ihren Stärken und Schwächen, ihrem Hadern, Missverständnissen und Konflikten, die auch mal ungelöst bleiben dürfen - wie halt im echten Leben. Ihre Gefühle und Gedanken vermag er intensiv zu beschreiben und auf den Leser zu transferieren. Das Grauen mancher Szene spürt der Leser fast körperlich. Als Ausgleich versöhnt Khadra mit einem poetischen Erzählstil voller traumhafter Bilder.
"Die Schuld des Tages an die Nacht" ist somit ein wunderbares Buch, eine tragische Liebesgeschichte, ein Zeitzeugnis, eine Geschichte über Freundschaft, Familie und herben Verlust oder schlicht, ein Buch über Menschen und die Auswirkung ihrer Entscheidungen auf ihr Leben. Ein Buch, das auch noch lange nach dem Lesen nachwirkt.
Von Eltern lernt man lieben, lachen, laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. (Helen Hayes)
Ein alter Mann blickt auf sein Leben zurück. Es beginnt um 1930 in Algerien. Als achtjähriger Junge erlebt er, wie sein Vater trotz unerschöpflicher Arbeitsleistung sein Land verliert. Mit nur wenigen Habseligkeiten machen sich seine Eltern, seine jüngere Schwester und Younes auf den Weg nach Omar, einer großen Stadt in Algerien, in der sie hoffen, eine bessere Zukunft zu haben. Aber auch dort ist Elend und Not. Younes Vater hat dort einen Bruder, einen angesehenen Apotheker, doch er ist zu stolz, ihn um Hilfe zu bitten. Er versucht es allein, scheitert aber kläglich. Als er keine Zukunft für seine Familie sieht, überwindet er sich um gibt Younes in die Obhut seines Bruders. Dort wird aus dem armen algerischen Younes ein im europäischen Teil der Stadt lebender Jonas. Von seinen neuen Eltern wird er geliebt und gefördert.
Die Idylle wird getrübt durch die politischen Veränderungen Algeriens, sie streben nach Unabhängigkeit. Auch Jonas Onkel ist darin verwickelt und sie verlassen überstürzt Omar. Ein neues Leben beginnt in dem dörflicheren Rio Salado. Da Jonas das Landleben kennt, gefällt es ihm dort und er findet Freunde. Bald übernimmt er die Apotheke seines Onkels.
Emilia, die sich bereits als Kind in Jonas verliebt hat, versucht ihn für sich zu gewinnen.
Der Unabhängigkeitskrieg macht auch in Rio Salado nicht halt und verändert das Leben der Bewohner.
Diese Lebensgeschichte berührt. Es beschreibt die Entwicklung eines Menschen von der Jugend bis zum Alter, alle Freuden und Leiden und eine tragische Liebe sind enthalten. Auch die Entwicklung eines Landes zur Unabhängigkeit, die Leiden und Unterdrückungen, die Armut vieler und der Reichtum einiger - meist europäischer Bewohner - spiegeln sich wieder. Krankheit, Vergewaltigung, Tod sind in der armen Bevölkerungsschicht allgegenwärtig.
Yasmina Khadra hat einen wortgewandten, sprachgewaltigen Schreibstil, sehr poetisch und doch kraftvoll. Es ist eine mitreißende Beschreibung des Lebens, eine Geschichte, die man nicht so schnell vergisst.
Man hatte mich vorgewarnt. Meine Französischlehrerin von der VHS sprach von "sehr literarischem Stil", andere, die schon Bücher dieses Autors gelesen hatten, von "sehr traurig". Außerdem sollte es noch eine Art Entwicklungsroman sein und sich mit der jüngeren algerischen (!) Geschichte beschäftigen - alles Gründe, die Finger davon zu lassen! Aber nach der Leseprobe hatte ich Blut geleckt, und ich versuchte es. Als das Buch ankam - dick und klein gedruckt - zweifelte ich noch einmal, aber dann packte ich es an. Und ich fand mich in einer höchst interessanten Geschichte, deren Sprache mich fesselte - nichts war kitschig, oder, wie man es oft mit "literarisch" verbindet, hochgestochen. Trotz des traurigen Inhalts war es ein Genuss, sich auf das Buch einzulassen. Der Autor liebt seine Protagonisten und vergisst im Laufe des Romans keinen. Jede Geschichte wird aufgelöst, und das ist heutzutage auch nicht mehr selbstverständlich. Bedanken kann sich der Leser übrigens auch bei der Übersetzerin für ihre nuancenreiche Arbeit. Nach diesem Roman werde ich weitere Bücher von Yasmina Kadra lesen, das habe ich mir fest vorgenommen!
Mohammed Moulessehoul schreibt unter dem Pseudonym seiner Frau Yasmina Khadra, welches er wegen den strengen Zensurbestimmungen in Algerien erst gelüftet hat, als die Familie nach Frankreich ins Exil gegangen war. Das vorliegende Buch war monatelang auf der französischen Bestsellerliste und wurde von der Zeitschrift Lire als "das beste Buch des Jahres 2008" ausgezeichnet.
Younes zieht mit seiner Familie in die Großstadt Oran, nachdem die Ernte seines Vaters angezündet wurde. In dem Elendsviertel Djenato Djato versucht die Familie eine neue Existenz aufzubauen. Doch dies stellt sich schwieriger als geplant dar. Die Stadt pulsiert von Dieben, Missgunst, Betrug und Ausbeutung. Mit aller Kraft versucht Younes' Vater seine Familie durchzubringen, doch er muss am Ende feststellen, dass er scheitert. Er gibt Younes seinem Bruder, einem angesehenen Apotheker, in Obhut, damit wenigstens er es zu etwas bringen kann im Leben. Nun lernt er ein komplett anderes Leben kennen und wächst als Jonas im europäischen Teil der Hauptstadt auf. Er sieht nun die andere Seite der Großstadt, die vom Glück verwöhnt zu sein scheint. Er besucht nun eine gute Schule, lernt lesen und schreiben und entfernt sich immer weiter von seiner Familie. Er findet Freunde, wächst allmählich heran, arbeitet in der Apotheke seines Onkels und lernt die Liebe seines Lebens kenne, Emilie. Sie, die wunderschöne Französin, bestimmt von nun an sein Leben.
Diese Liebe spiegelt das Verhältnis von Orient und Okzident wider, zwei Kulturen, die sich im Laufe der Zeit viel Leid zufügen. Khadra beschreibt sehr einfühlsam die in der damaligen Zeit vorherrschende Gewalt, Hoffnugslosigkeit, Tristesse, Verzeiflung, Wut und damit verbunden der blutige Widerstand der algerischen Bevölkerung, die sich gegen die weiter aufstrebende Macht der Franzosen richtet. Auch Jonas/ Younes ist im Inneren seines Selbst zwischen den beiden Kulturen zerrissen, welches nichtzuletzt auch durch seinen Namen symbolisiert wird. Es kann sich für keine der beiden Seiten entscheiden und lebt somit zwischen "zwei Stühlen". Dieser Konflikt zieht sich durch das ganze Buch und begleitet auch Jonas' Schicksal in der Liebe...
Für mich persönlich ist es das beste Buch was ich dieses und letztes Jahr gelesen habe. Ich war von der Schilderung der politischen Umstände der damaligen Zeit total ergriffen, sodass auch einige Male einige Tränen geflossen sind. Khadra gelingt es sehr gut die gefühlvolle Geschichte des jungen Mannes in das Zeitgeschehen von Algerien einzubetten und so den Leseran dieses Buch zu fesseln. Die grausame Wirklichkeit scheint überall in diesem Roman zu stecken, sie ist aufregend und macht einem zugleich angst. Die wunderbar poetische Sprache - in der Übersetzung von Regina Keil-Sagawe - schafft es die Handlungsorte und die Charaktere detaillgenau auszumalen und vermittelt so die Nähe und den Eindruck des Miterlebens. Ein überaus beeindruckendes Buch!
Schon der Auszug zu dem Buch „Die Schuld des Tages an die Nacht“ von Yasmina Khadra hat mich neugierig gemacht.
Yasmina Khadra ist das Pseudonym von Mohammed Moulessehoul, welches er gewählt hat um der Zensur in seinem Heimatland zu entgehen und bei dem es sich um die beiden Vornahmen seiner Ehefrau handelt. Interessant zu wissen wäre, ob das Buch auch autobiographische Züge hat.
Auch das lesen des kompletten Buches war eine gute Entscheidung und hat mir Freude bereitet – ein Buch, das ich mir selbst nicht gekauft hätte, aber das einen sehr schönen Schreibstil und sehr gut zu lesen war. In dieser Geschichte trifft Jonas nach 50 Jahren seine alten Freunde aus Kindheits- / Jugendtagen wieder und sie lassen ihr Leben Revue passieren – wie es ihnen über die Jahrzehnte ergangen ist und was ihre Heimat und ihre Landsleute in Algerien in der zurückliegenden Zeit alles durchstehen mussten. Im Mittelpunkt steht die große Liebe zwischen Jonas und der bezaubernden Französin Émilié. Kann diese Liebe sich den kulturellen Unterschieden widersetzen und haben die beiden eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft?! Zu Beginn des Buches wird gezeigt, wie Jonas aufwuchs, mit seinen Eltern und einer Schwester auf einer Farm lebend. Durch einen Brand wird die ganze Ernte zerstört, so dass der Vater sich eine andere Arbeit suchen muss um die Familie über Wasser zu halten, die so allerdings den Mann und Vater entbehren muss und ihn kaum noch sieht. Gut und flüssig geschrieben, so dass man sich die traurige Situation bildhaft vorstellen kann aber man hat auch die Hoffnung und Zuversicht, dass die Familie anpackt und sich alles zum besseren wenden wird. Auch zu Anfang, als die Familie in die Großstadt zieht werden starke Gegensätze deutlich: Armut in richtigen Elendsvierteln und der Reichtum und Glanz in den besseren Teilen der Stadt. Auch Liebe und Hass werden direkt deutlich gegenübergestellt und schon zu Beginn ist der Krieg ein Thema in diesem Buch. All diese Sachen ziehen sich durch das ganze Buch, was natürlich auch viele deprimierende Seiten hat, aber alles in allem ist es trotzdem ein schönes und gefühlvoll geschriebenes Buch, welches ich gerne empfehle!
Younes, ein arabisch-muslimischer Algerier, blickt als alter Mann zurück auf seine Kindheit und seine Jugendzeit im Algerien der 30er bis 60er Jahre.
Nachdem er zunächst mit seiner Familie im Elendsviertel der Stadt Oran sein Leben fristet, wird er von seinem Onkel und seiner französischen Frau als Sohn angenommen und wächst nun im reichen, europäischen Teil der Stadt und später in der europäisch orientierten Küstenstadt Rio Salado auf. Er knüpft Freundschaften zu europäisch-stämmigen Einwohnern der Stadt, ist anerkannt und führt ein glückliches Leben, bis sich der Unabhängigkeitskrieg ankündigt und alles verändert.
Immer mehr fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen einer muslimisch-arabischen, armen und unterdrückten Welt, der seine Familie entstammt und der christlich-europäischen Welt seiner Freunde und Nachbarn.
Gefangen in seinem inneren Zwang zur Loyalität und der Einhaltung von Versprechungen und Schwüren zerreißt Younes förmlich, bleibt ständig auf der Suche nach seiner Identität, nach Glück und Liebe.
Yasmina Khadra hat eine stark stimmungsgetragenes Buch geschrieben und beeindruckt durch seinen Schreibstil.
"Die Schuld des Tages an die Nacht" ist ein Buch über Liebe und Hass, Freundschaft und Schuld sowie den Krieg gegen sich selbst. Es wird von Melancholie getragen, einer Stimmung, die vermutlich nicht jedermann ansprechen wird.
Insgesamt ein sehr schönes Buch, versetzt mit dem Hauch des Orients.
Younes in unsäglicher Armut lebend, muß mit seinen Eltern und seiner Schwester das seit Generationen der Familie gehörende Land verlassen. Ein Großfeuer, gelegt aus Mißgunst und Neid, hat die Ernte zerstört, die Hypotheken können nicht mehr bezahlt werden. Auf einem Eselskarren das wenige Hab und Gut transportierend, ziehen sie Richtung Stadt. In Oman angekommen, versagt der Stolz des Vaters der Familie ein etwas besseres Leben. Sie müssen in ein Elendsviertel ziehen. …„Die Misere war grenzenlos an dieser schier unbeschreiblichen Örtlichkeit. Und die Menschen, wandelnde Tragödien, verschmolzen nachgerade mit dem eigenen Schatten – Verdammte, mit denen man kurzen Prozeß gemacht und die man, weil die Hölle schon überlaufen war, in diesem Jammertal ausgesetzt hatte.“…
In dem Roman treffen Orient und Okzident in Form unterschiedlicher Lebensanschauungen aufeinander und beide treffen in einer Person aufeinander: der arabische Junge Younes wird plötzlich aus der Welt des algerischen Landlebens gerissen. Sein Vater verliert seine Ernte und somit sein Land und zieht mit seiner Familie in die Stadt. Dort schafft er es nicht für seine Familie zu sorgen und gibt seinen Sohn in die Obhut seines begüterten Bruders.
Dort lernt Younes eine völlig andere Welt kennen: aus der ärmlichen Vorstadt zieht er in die bürgerlich-westlich orientierte Welt seines Onkels, des Apothekers und dessen katholischer Frau Germaine. Sein Name wird von Younes in Jonas geändert und er hat große Schwierigkeiten in dieser Welt seinen Platz zu finden. Dies ändert sich erst mit einem Umzug in eine Kleinstadt, in der die kleine Familie einen Neubeginn wagt. Hier fühlt er sich endlich zuhause und findet Freunde für`s Leben. Dennoch ist er immer wieder hin- und hergerissen zwischen seinem Platz in der Gesellschaft und seinen Wurzeln. Dies zieht sich durch sein ganzes Leben und macht auch vor der Liebe nicht halt...Sehnsucht nach Geborgenheit und Zugehörigkeit, die immer wieder von den Schatten der eigenen zerrissenen Persönlichkeit, in ihrer Erfüllung behindert wird.
All dies erzählt Yasmina Khadra in der wunderschönen poetischen Erzählkunst des Orients. Es hat mich ein bisschen an Rafik Shamir erinnert, dessen Bücher mir ebenfalls sehr gefallen. Poetisch, teilweise märchenhaft, fesselnd und anrührend aber dabei nicht ins Kitschige abgleitend. Einfach jemand, der die Kunst des Geschichten-Erzählens beherrscht. Ein sehr schönes Buch!
Der Roman von Jasmin Khadra behandelt die Zeit des Umbruchs in Algerien von 1930 bis 1960. Die Geschichte wird durch die Gestalt des Jungen Younes
sehr plastisch dargestellt.Seine Familie ist verarmt, verläßt das Land, und versucht in der Stadt ihr Glück zu finden. Leider erlebt der stolze, unnachgiebige Vater nur Rückschläge und verfällt dem Alkohol. Vernünftigerweise übergibt er seinen Sohn an seinen Bruder, der eine Apotheke besitzt, eine Französin zur Frau hat, und zur gehobenen Schicht zählt - obwohl hier Araber eigentlich keinen Zutritt haben. Younes (Jonas), ein bildschübscher Junge mit blauen Augen, fühlt sich bei seinen Adoptiveltern sehr bald zu Hause und findet Aufnahme in einem Freundeskreis bestehend aus Franzosen, einem Juden und ihm als Araber.Für die Jugendlichen bildet die unterschiedliche Herkunft kein Hindernis, man mag sich trotz abweichenden Gewohnheiten; zum Beispiel keinen Alkohol zu trinken. Erst das Erscheinen der schönen Emilie, in die sich alle verlieben, treibt einen Keil zwischen die Freunde.
Der Autor versteht es mit zarten Gesten die Unterschiede in der damaligen Bevölkerung Algeriens aufzuzeigen. Zum Beispiel heißt der Junge unter seinesgleichen Younes, unter Franzosen aber Jonas; "Er ist einer von Ihnen, aber er lebt das Leben der anderen".Wie schmerzlich muß es Jonas ergehen wenn er hört:"Die Araber sind wie Tintenfisch, man muß sie schlagen, damit sie mürbe werden." Younes muß sich für ein Lager entscheiden, auf welcher Seite er steht. Dies ist sein Problem, er scheint irgendwie auch die Sturheit des Vaters geerbt zu haben. Wie kann er schweigen wenn Emilie zu ihm sagt. "Wenn zwei sich lieben stehen sie jenseits weltlicher Zwänge und klerikaler Bannstrahlen."
Die Sprache Chadras ist sehr poetisch, ein wunderschöner Roman der uns neue Einblicke in die Geschichte und die Problematik Algeriens zeigt, keine Minute langweilig ist und die Gefühle der Protagonisten auf uns überträgt. Ein Buch das einen zum Nachdenken zwingt, ob man will oder nicht!
Was mir nicht gefällt: Der Bucheinband ähnelt verblüffend dem Einband des Romans Drachenläufer von Khaled Hosseini. Ist die Absicht um die Auflage zu erhöhen? Ich hätte mir ein anderes Cover gewünscht.
Inhalt:
Yasmina Khadra erzählt von der Kindheit und Jugend des Arabers Younes/Jonas im Algerien des 20. Jahrhunderts, von den französischen Kolonialisten, die das Land und seine muslimischen Bewohner unterjochen, vom Kampf um Unabhängigkeit, von politischen Unruhen und der algerischen Nationalbewegung. Der Leser erfährt von den Verlockungen der Städte, die die arme Landbevölkerung anziehen, weil ein besseres Leben erhofft wird, und von zerplatzten Träumen und enttäuschten Hoffnungen. Der Autor berichtet von der Rechtlosigkeit der Araber, die in ihrem eigenen Land nur noch Menschen zweiter Klasse sind und die von den Franzosen politisch und kulturell unterdrückt und klein gehalten werden.
'Die Schuld des Tages an die Nacht' handelt von Gewalt und politischen Unruhen, von entstehenden und zerbrechenden Freundschaften, von der Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen, von Erniedrigung und Stolz, von einer Liebe, die unter einem schlechten Stern steht.
Mein Eindruck:
Wie in allen seinen Büchern verwebt Yasmina Khadra die persönlichen Geschichten seiner Protagonisten mit den historischen und politischen Gegebenheiten seiner Heimat. 'Die Schuld des Tages an die Nacht' unterscheidet sich jedoch stark von den anderen Romanen und ist durch die Betonung der Identitätssuche und der Gefühle von Younes/Jonas meiner Meinung nach ein eher untypisches Buch des algerischen Autors, da es weniger auf Algerien mit seiner Geschichte von Unabhängigkeitskrieg, der Suche nach nationaler Identität, Bürgerkrieg, Islamismus, Terror und Folter fokussiert.
'Die Schuld des Tages an die Nacht' begeistert durch das hohe sprachliche Niveau und die arabisch-blumige Erzählweise, ohne dass der Autor oder der Leser den Faden verliert. Auch die authentischen und realistischen Charaktere haben mir sehr gut gefallen, da es bei Yasmina Khadra keine simple Unterscheidung in Gut oder Böse gibt. Der Autor schafft es zudem, dass die Schauplätze perfekt imaginiert werden können und sich der Leser nach Nordafrika versetzt fühlt.
Bisweilen erschienen mir die Geschehnisse jedoch etwas konstruiert und die zahlreichen 'Zufälle', die z.B. zum Wiedersehen alter Bekannter/Freunde/Feinde führen, etwas unglaubwürdig.
Mein Resümee:
'Die Schuld des Tages an die Nacht' ist ein großartiges Buch des algerischen Autors. Ich kann auch alle anderen Romane Yasmina Khadras vorbehaltlos empfehlen.
Schon nach der Leseprobe war ich völlig hingerissen von der Sprache von Yasmina Khadra.
So habe ich mich voller Vorfreude auf die Lektüre des Buches gestürzt. Die anfängliche Begeisterung wurde dann allerdings ein wenig gedämpft: trotz der lyrischen Sprache bleiben die Charaktere ein wenig flach, wie aus der Ferne wird das Leben von Jonas geschildert; der angekündigte Spagat zwischen Okzident und Orient äußert sich vor allem darin, dass er zwei verschiedene Vornamen führt, und man verliert fast die Geduld mit diesem unentschlossenen jungen Mann, der durch sein Leben wie durch Nebel wankt und sich zu nichts durchringen kann. Am Gelungensten fand ich noch die Schilderungen aus seiner Kindheit, wie er das Scheitern seines Vaters erlebt und letztendlich bei seinem Onkel landet. Seine tragische Liebesbeziehung zu Emilie liegt eher darin begründet, dass er ihrer Mutter einen Schwur geleistet hat. Seine Jugendfreundschaften zerbrechen, z.T. wegen dieser Liebe, z.T. wegen unterschiedlicher Kulturzugehörigkeiten und durch die verzwickten Bedingungen, die durch den zweiten Weltkrieg und den anschließenden algerischen Unabhängigkeitskampf herrschen. Die Freude über die hervorragende Sprachqualität bleibt bestehen, die abgrundtiefe tragische Einsamkeit des Helden wird damit gut erfasst, trotzdem führt diese distanzierte Schreibweise dazu, dass man nicht vollständig eintaucht in die Geschichte und sie zumindest bei mir keinen langen Nachhall erzeugt. Ein wenig mehr Handlung hätte dem Buch durchaus gut getan.
Der von Yasmina Khadra verfasste Roman „Die Schuld des Tages an die Nacht“ thematisiert die Problematik des Krieges im Rahmen der Kolonialisierung durch Frankreich in Algerien zwischen den 30’er und 60’er Jahren, das Scheitern der großen Liebe und zudem das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen. Der Protagonist Younes erzählt im Alter von ca. 80 Jahren seine autobiographische Lebensgeschichte. Hierbei schildert er den durch einen schwerwiegenden Schicksalsschlag initierten Umzug seiner Familie vom peripheren in den urbanen Raum Oran, die Hauptstadt Algeriens. Younes, auch Jonas genannt, wird im jungen Alter in die Obhut des wohlhabenden und in der Stadt ansässigen Onkels gegeben, der die weitere Lebensgeschichte des kleinen in eine neue Richtung lenkt. Jonas durchlebt seine weitere Kindheit und Jugend in einer Welt, die ihn hin- und herzureißen scheint zwischen der muslimischen und der christlichen Kultur. Seine Freundschaft zu Andre, Simon, Jean- Christophe, Jose und Fabrice ist geprägt von einer Varietät von dramatischen Erlebnisssen, wie z.B. die große Liebe Emilie, welche der Grund für Jonas’ Freundschaftsbruch zu einigen besten Freunden ist, da sich zwischen ihr und dem Protagonisten eine Liebe entwickelt, desssen Grenzen dadurch gelegt sind, dass Emilie mit Simon verlobt ist auch auch sonst durch ihre Schönheit den übrigen jungen Männern den Kopf verdreht.Zudem erlebt Jonas den Schrecken des Bürgerkrieges durch eine von islamisten geführte Revolution, die die Großstadt in einen grausamen Schauplatz voller Zerstörung und Anarchie verwandelt. Jonas’ Freundschaftsbruch zu einigen Nahestehenden, die gescheiterte Liebe zu Emilie, seine muslimische Herkunft und die hautnahe Konfrontation mit dem Krieg hat die Konsequenz, dass Jonas in eine tiefe Depression zu fallen scheint und nicht mehr weiß, wo eigentlich der Sinn des Ganzen besteht.Besonders erwähnenswert im Roman sind die verwendeten metaphorischen Mittel Khadras. Die Benutzung von Metaphern können als herausragend bezeichnet werden, da sie den Worten eine undefinierbare Magie verleihen. Die einzigartige Metaphorik führen beim Leser auch zu einer hohen Visualität des Schauplatzes in Algerien.
Durch die Fülle an Informationen und durch den Zeitrahmen kommt der Roman einem länger als 400 Seiten vor und fesselt den Leser bis zum Schluss, weshalb ich auch stundenlang mit dem Lesen beschäftigt war und den Roman nicht für eine Sekunde weglegen wollte.
Jedoch muss man hier deutlich klarstellen, dass für den Inhalt des Romans ein wenig Hintergrundwissen bezüglich der Kolonialisierung Algeriens durch Frankreich gefragt ist.Auch ist es von Vorteil der muslimischen Kultur und der arabischen Sprache ein wenig vertraut zu sein, da viele Begriffe arabischen Ursprungs sind (u.a. Berber für Frisör und Kader für Schicksal) und viele Sitten und Bräuche für einen Europäer ungewöhnlich vorkommen könnten. Jemandem, der sich für die algerische Kultur interessiert ist, und ein Faible für tragische Lebens- und Liebesgeschichten hat, ist der Roman von Yamina Khadra defnitiv zu empfehlen.Daumen hoch und ab zur Buchhandlung des Vertauens.
Die Umschlaggestaltung weist mich auf einen Roman hin, der sich um eine Kindkeit dreht und tatsächlich nimmt diese einen Großteil des Romanes ein. Es ist farblich in sepia gehalten und genau wie der Inhalt der Kindheit nicht sonderlich farbenfroh. Für mich ist die Gestaltung sehr passend gewählt.
Inhalt: Der Autor hat die Ich-Form des Erzählens gewält und läßt damit eine große Nähe zum Leser entstehen.Die Geschichte beginnt mit dem absoluten Abstieg einer bereits schon armen Familie in Algerien. der Vater versucht die Familie zu ernähren, aber die rettende und gut stehende Ernte wird abgefackelt und die Familie auf die Straße gesetzt. Der Vater nimmt seine Frau, die zwei Kinder und die wenige Habe und sie gehen in die Stadt. Dort will sein Bruder ihm helfen, aber der Stolz des Vaters läßt es nicht zu. Das Einzige was sie bekommen ist eine nodürftige Unterkunft. Bald schon hat der Vater wieder Arbeit. Younes, der Sohn und Erzähler, langweilt sich zu Hause und verdient sich auch ein wenig Geld. Stolz zeigt er es seinem Vater - aber der gerät außer sich und fordert seinen Sohn auf, dieses Geld dem zurückzugeben, der es ihm gegeben hat. Der Vater fühlt sich in seinem Stolz verletzt. Er kann für seine Familie sorgen! Er schafft es auch - bis er überfallen und ausgeraubt wird. Da nimmt er all seinen Mut zusammen und übergibt seinen Sohn an seinen kinderlosen Bruder und dessen Frau. Dieses Leben in dem europäisch geprägten Teil der Stadt, in einer anderen Welt. Ab jetzt heißt er Jonas und geht nach einigen Monaten auch zur Schule. dort ist er einer der wenigen Araber unter Europäern und bekommt es auch manchmal zu spüren. Dort lernt er auch seine späteren Freunde kenen, die ihn den größten Teil des Lebens begleiten werden. Bis die Liebe zu einer Frau, diese Freundschaften auseinanderreißt und Jonas in einer großen Einsamkeit hinterläßt. Er fühlt sich an ein gegebenes Versprechen so fest gebunden, bis es zu spät ist. Der 2. Weltkrieg und später die Aufstände im eigenen Land tragen auch dazu bei, dass er als Einheimischer sich wieder zwischen den Freunden (Europäern) und seinem Volk entscheiden muß - eine Entscheidung, die er nicht treffen will. Er hat seine eigene Familie verloren, seine große Liebe und seine Freunde.Erst am Ende des Romans, als alte Mäner söhnen sich die ehemaligen Freunde aus, nach dem Tod der großen Liebe - Emilie.
Fazit:Dieser Roman ist keine Unterhaltungsliteratur im eigentlichen Sinne, denn sie rüttelt auf, ist ein Stück Zeitgeschichte eines weitgehend unbekannten Landes und die Geschichte einer großen Einsamkeit. Falscher Stolz bringt die Familie in den endgültigen Absturz. Es zeigt auch, dass des absolute Aufrechterhalten eines einmal gegebenen Versprechens mehr Leid anrichtet, als der Bruch deselben Schaden angerichtet hätte. Zwei Kulturen in einem Land und die Unterdrückung der Landeskultur durch die Fremde erinnert an dieSklaverei und war ja eigentlich auch nichts andres - aber eben nicht vor hundert Jahren. Aber wo steht man, wenn man in der einen geboren und in der anderen aufgewachsen ist und zu beiden immer noch Kontakt hat? Jonas ist immer zerrissen und dadurch auch sehr einsam. Ein Roman, der unter die Haut geht. Hier spürt man besonders die seelische Not des Erzählers. Das hier ist real und vielen anderen Menschen in diesem Land ist es ähnlich ergangen.
Ein sehr lesenswertes Buch, aber keine leichte Kost.
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